Gartenpalais Schönborn: Drehort für Musikvideos wartet auf Nutzung 

Ansichtssache6. September 2014, 10:11
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Auf Entdeckungstour am Dachboden des österreichischen Volkskundemuseums

Wien - Schritte hallen aus der Dunkelheit, ein Schlagzeug setzt ein. Eine in ein Cape gehüllte Gestalt öffnet zwei Fensterläden, draußen wiegen sich die kahlen Äste eines Baumes im Wind. Es ist der Beginn eines Musikvideos.

Die Fensterläden gehören zu einer Dachgaupe im Gartenpalais Schönborn in Wien-Josefstadt. Das von 1708 bis 1713 vom Belvedere-Architekten Johann Lukas von Hildebrandt errichtete Gebäude beherbergt seit 1917 das österreichische Volkskundemuseum.

Der ungenutzte Dachboden ist den Museumsbetreibern schon länger ein Dorn im Auge. Eine Renovierung in den 1980er-Jahren erlaubte die Einrichtung einer Restaurierwerkstatt. Die restlichen Dachstühle stehen mehr oder weniger leer: Ein Metallkorb auf Rädern fristet ungenutzt neben der mit Kranvorrichtung ausgestatteten Dachgaupe sein Dasein. Ein einzelner Türflügel lehnt zwischen den Holzbalken, ein Ventilator steht gesenkten Haupts im Eck.

James-Bond-Film "Moonraker"

Die verlassenen Dachstühle sind auch den Museumsmitarbeitern weitgehend unbekannt. Kurator Herbert Justnik und Museumssprecherin Barbara Lipp gehen gemeinsam mit dem STANDARD auf Entdeckungstour. Ein Kamin-Kobel erinnert sie an die Startrampe aus dem James-Bond-Film "Moonraker".

Der einzige zweckmäßige Bereich des Dachbodens, die Restaurierwerkstatt, beherbergt ein für Laien seltsam anmutendes Allerlei: zum Beispiel eine historische Beleuchtungskörpersammlung oder eine Knopflochschere. Auf einer großen Kühltruhe stehen die Worte "zwei Mal schockgefrieren, je drei Wochen". Aus der Decke ragt ein Entlüftungsschlauch wie ein Drachenkopf in den Raum. Die Fenster sind mit Alufolie bedeckt - um die fehlenden Jalousien zu kompensieren?

Umbaupläne "nur ein Traum"

Die Museumsbetreiber würden sich einen Umbau des gesamten Dachbodens wünschen. Büros könnten dort oben Platz finden, Räumlichkeiten für Studenten geschaffen werden. Bisher seien diese Pläne aber "nur ein Traum", sagt Justnik. Das geringe Budget und die Debatte um die Fusion mit dem Völkerkundemuseum machen derlei Ideen einen Strich durch die Rechnung.

Unterdessen wartet der Dachboden darauf, genutzt zu werden. Den Videodreh zum Song "Invisible" von Luise Pop verstehe man als "kulturelle Zwischennutzung". Ähnliches ist für die Lange Nacht der Museen am 4. Oktober geplant. Besucher sollen zum Drehort geführt werden, auf einer Leinwand im Dachstuhl wird das Musikvideo dann vorgeführt. (Christa Minkin, DER STANDARD/derStandard.at, 6.9.2014)

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Außenansicht der mit Kranvorrichtung ausgestatteten Dachgaupe. Sie wurde erst in den 1980er Jahren eingebaut, fügt sich aber authentisch in den Stil des Palais' ein.

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Der "Blaue Salon" befindet sich auf dem Weg zum Dachboden. Auch er diente als Kulisse für den Videodreh zu "Invisible".

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Hier beginnt der Clip zum Song von "Luise Pop".

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Ein Blick aus der Dachgaupe in den Hof des Gebäudes.

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"Luise Pop"-Sängerin Vera Kropf.

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Der Metallkorb auf Rädern wurde früher zum Transport über die Kranvorrichtung genutzt.

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Die verlassenen Dachstühle, die auf einen Umbau warten.

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Ein Türflügel lehnt an Holzbalken.

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Kamin-Kobel oder "Moonraker"-Startrampe?

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Das Gebälk in diesem Teil des Dachbodens hängt so tief, dass man sich zum Durchgehen ducken muss.

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Ein Blick in die Restaurierwerkstatt.

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Für Laien seltsam anmutendes Allerlei: Den Nutzen dieses schweren Gegenstandes konnten sich auch die zwei Museumsmitarbeiter nicht erklären.

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Die historische Beleuchtungskörpersammlung.

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Ein Blick über das Dach des Gartenpalais'.

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Keine Dachboden-Besichtigung ohne Begegnung mit einer Taube.

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