Umfangreiche Siedlung aus der Kupferzeit in Zentralspanien entdeckt

5. September 2014, 17:39
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Ausgrabungen weisen darauf hin, dass die Region vor über 4.000 Jahren dichter besiedelt war als bislang angenommen

In der Region Azután in Zentralspanien hat ein internationales Archäologenteam ein bislang unbekanntes kupferzeitliches Siedlungszentrum freigelegt. Bei einer Feldstudie entdeckten die Forscher von der Universität Tübingen und der spanischen Universität Alcalá de Henares auf einer Fläche von rund 90 Hektar Keramik und Steinwerkzeuge, die sie durch typologische Untersuchungen auf ein Alter von über 4.000 Jahren datieren konnten.

Als Kupferzeit oder Chalkolithikum wird der Zeitraum zwischen der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bezeichnet. Kennzeichnend für diese Epoche waren die Nutzung von Kupfererzen, große befestigte Siedlungen im Südosten der Iberischen Halbinsel sowie eine intensivere Nutzung der Umwelt als noch im Neolithikum. Bislang ging man davon aus, dass die zentralspanische Region um Toledo während des Chalkolithikums nur sporadisch besiedelt war: sie liegt eher ungünstig zwischen zwei Gebirgsmassiven am Lauf des Flusses Tajo, der damals schwer zu überqueren war.

Spuren umfangreicher Besiedelung

Das bis heute erhaltene "Megalithgrab von Azután" wies bereits auf Spuren von Menschen im Chalkolithikum hin. Der neue Siedlungsfund liefert nun Hinweise auf eine umfangreiche durchgängige Besiedlung in der Region um Toledo während des vierten und dritten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung. Zu diesem Schluss gelangte das Forscherteam unter Leitung des Tübinger Archäologen Professor Martin Bartelheim wegen des großen Vorkommens und der Konzentration der Funde. In geomagnetischen Untersuchungen und durch eine gezielte Auswertung von Luftbildern wollen die Wissenschafter nun Ausmaß und Struktur der Siedlung ermitteln.

Seit den 80er Jahren rückt die Iberische Halbinsel in der chalkolitischen Periode verstärkt ins Interesse der Forschung. "Dank der neuen Funde bei Azután wurde die Annahme bestätigt, dass es auch in Zentralspanien eine intensive Kupferverarbeitung und Besiedlung gab. Bisher glaubte man, dass sich dies weitgehend auf die fruchtbaren Küstenregionen im Süden der Iberischen Halbinsel beschränkte", sagt Felicitas Schmitt, Doktorandin am Sonderforschungsbereich RessourcenKulturen (SFB 1070).

Befestigtes Kupferverarbeitungszentrum

Im nahegelegenen Aldeanueva de San Bartolomé ist eine weitere, vermutlich sogar befestigte Siedlung vorhanden, die auf ein frühes Kupferverarbeitungszentrum hindeutet. Neue Werkzeugfunde im Bereich Azután lassen sich dem Ackerbau und dem Fischfang (Mühlsteine und Netzsenker) zuordnen. Diese Entdeckungen zeigen, dass bereits in der chalkolitischen Gesellschaft eine verstärkte Ausdifferenzierung in verschiedene, komplexe Arbeitsbereiche stattfand, was einen entscheidenden Entwicklungsschritt auf dem Weg zur Herausbildung verschiedener Berufszweige in der kupferzeitlichen Gesellschaft markiert.

Wie die neu entdeckte Siedlung an die Verkehrs- und Handelsrouten der damaligen Zeit in Zentralspanien angebunden war, wird durch Landschaftssurveys erkundet. Bereits jetzt ist die Nähe zu wichtigen Fernverbindungen entlang des Flusstals und quer verlaufender Wege der Wanderhirten auffällig, die seit alters her das zentraliberische Hochland, die Mesetas, durchziehen.

In einer Vergleichsstudie untersucht Javier Escudero Carillo, ebenfalls Doktorand des SFB 1070, an der portugiesischen Algarveküste eine weitere kupferzeitliche Siedlung, wodurch sich Parallelen zwischen beiden Regionen aufzeigen lassen. Felicitas Schmitt: "In beiden Regionen finden sich ähnliche Grabbauten, Bestattungsriten und Fundgegenstände. Deshalb gehen wir davon aus, dass Flüsse und Routen von Wanderhirten als Kommunikationswege schon damals eine wichtige Rolle spielten." (red, derStandard.at, 05.09.2014)

  • Das kupferzeitliche Megalithgrab "Dolmen de Azután" wies bereits zuvor auf Spuren von Menschen im Chalkolithikum hin.
    foto: felicitas schmitt/universität tübingen

    Das kupferzeitliche Megalithgrab "Dolmen de Azután" wies bereits zuvor auf Spuren von Menschen im Chalkolithikum hin.

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