Mitterlehner holt Salcher für Bildungsreform an Bord

5. September 2014, 10:38
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Popper-Schule-Gründer steht zu Kritik an ÖVP und will Schulsystem "völlig neu aufsetzen"

Wien - Der ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner will für Reformen im Bildungsbereich Ideengeber um sich scharen, derzeit laufen erste Gespräche. Eine der Personen, die um ihre Einschätzung der drängendsten Probleme gebeten wurden, ist der frühere Wiener VP-Kultursprecher und Mitgründer der Popper-Schule für Hochbegabte, Andreas Salcher.

"ÖVP sind Interessen begabter Kinder wichtiger"

Der stand im Ö1-"Mittagsjournal" am Freitag zu seiner immer wieder geäußerten Kritik an der schwarzen Schulpolitik. In einem früheren Zeitungskommentar schrieb er 2012: "Der ÖVP sind im Zweifelsfall die Interessen der begabten Kinder wichtiger als das Gesamtniveau aller Kinder eines Jahrgangs. Die ÖVP verteidigt die Zukunftschancen der Kinder aus dem Bildungsbürgertum, verkennt aber, dass wir uns die systembedingte Diskriminierung von begabten Kindern aus Arbeiter- und Migrantenfamilien nicht länger werden leisten können, weil diese einen immer größeren Anteil der Schulpflichtigen ausmachen." Letztlich werde mit der immer wieder betonten "Wahlfreiheit" nur die Furcht um die Standesinteressen der bestens in der ÖVP verankerten Lehrergewerkschaft getarnt.

Salcher: ÖVP muss Bildungspartei werden

Am Freitag sagte Salcher, die ÖVP werde seine Kritik schon aushalten: "Der Reinhold Mitterlehner hätte mich ja nicht gefragt, ob ich meine Ideen einbringen wollte, wenn er nicht bereit wäre, diese ideologischen Fronten aufzubrechen." Dass einige seiner Reformvorschläge - etwa eine Kündigungsmöglichkeit für erfolglose Lehrer - für Konflikte in der Partei sorgen könnten, kommentiert Salcher so: "Die größte Wählerschicht sind eindeutig nicht die ÖVP-Lehrergewerkschafter, sondern die Eltern." Eine ÖVP, die keine Bildungspartei sei, habe "keine Chance".

"Schulsystem völlig neu aufsetzen"

Salcher will keinen fixen Termin- oder Zielplan vom neuen ÖVP-Chef erhalten haben, die Zeit dränge aber. Er hält es für angebracht, das Schulsystem "völlig neu aufzusetzen". Laut Mitterlehners Büro sollen die Problemanalysen Salchers und anderer Experten zuerst innerhalb der Partei und in weiterer Folge in der Koalition diskutiert werden. Die Einsetzung eines formellen Gremiums ist aus derzeitiger Sicht nicht geplant. (APA, 5.9.2014)

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