Welser-Möst tritt als Musikdirektor der Staatsoper zurück

5. September 2014, 12:45
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Der Dirigent zieht sich aufgrund von Auffassungsunterschieden in künstlerischen Belangen zurück

Wien - In einem Brief an Dominique Meyer, den künstlerischen Direktor der Wiener Staatsoper, hat Franz Welser-Möst am Freitag seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor erklärt. Der Grund liege in den seit längerer Zeit bestehenden Auffassungsunterschieden in künstlerischen Belangen, die auch in mehreren Gesprächen nicht aufzulösen gewesen seien. Welser-Möst legt zudem alle für die Saison 2014/15 vorgesehenen Dirigate und Neuproduktionen zurück. Der österreichische Dirigent war im Herbst 2010 an der Seite von Meyer angetreten, bereits im Jänner 2012 war sein Vertrag bis 2018 verlängert worden.

"Mit großem Bedauern habe ich heute Vormittag den Brief von Franz Welser-Möst entgegengenommen, in dem er mir seinen Verzicht auf seine Verpflichtung als Generalmusikdirektor mitgeteilt sowie alle Dirigate in der laufenden Spielzeit zurückgelegt hat", lässt Staatsoperndirektor Dominique Meyer in einer ersten schriftlichen Stellungnahme verlauten. Meyer weiter: "Das ist natürlich ein großer Verlust - und auch persönlich tut mir dieser Schritt sehr leid, denn ich schätze Franz Welser-Möst als Künstler und Dirigenten sehr."

Differenzen über künstlerische Ausrichtung

"Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen", begründete Franz Welser-Möst gegenüber der APA seinen Rücktritt.

Sein Entschluss sei nicht ad hoc gefasst worden, sondern langsam gereift. "Ich habe den Direktor dann heute Früh um 10 Uhr persönlich davon informiert und ihm auch mein Rücktrittsschreiben überreicht. Er hat gefasst und ruhig reagiert. Er hat nichts gesagt", so Welser-Möst.

Über Details der künstlerischen Differenzen wolle er nicht sprechen. "Da geht es um Sänger und Dirigenten, da geht es um den ganzen Bereich, der die künstlerische Ausrichtung des Hauses ausmacht." Dass er gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Generalmusikdirektor auch seine Dirigate zurückgelegt habe, begründete er damit, "Abstand gewinnen" zu müssen.

Vermittlungsversuche scheiterten

Die Differenzen zwischen Staatsoperndirektor Meyer und Generalmusikdirektor Welser-Möst sind offenbar in den vergangenen Tagen eskaliert. Nach APA-Informationen hat am Donnerstag ein Vermittlungsgespräch zwischen dem seit 1.9. amtierenden interimistischen Bundestheater-Holding-Chef Günter Rhomberg, Meyer und Welser-Möst stattgefunden, bei dem es keine Annäherung gegeben hat.

Auch die Telefonate, die Kulturminister Josef Ostermayer nach der Bekanntgabe von Welser-Mösts Rücktritt am Freitag mit diesem sowie mit Meyer und Rhomberg geführt hat, fruchteten nichts. "Die Entscheidung des Generalmusikdirektors ist unumstößlich. Es wird daher keine weiteren Vermittlungsversuche geben. Es bleibt uns daher nichts übrig, als die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen", erklärte ein Ostermayer-Sprecher.

Mit dem Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent Welser-Möst ist, wird er jedenfalls programmgemäß seine Tournee absolvieren und am 13. September in Linz sowie in den Tagen darauf auch im Rahmen einer Residenz Konzerte im Wiener Musikverein und im Konzerthaus bestreiten. "Ich habe ja nichts gegen Wien."

Welser-Möst war für die Saison 2014/15 insgesamt 34-mal am Pult der Staatsoper vorgesehen, allen voran für die Neuinszenierungen von Verdis "Rigoletto" (Premiere am 20. Dezember) und von Richard Strauss' "Elektra" (Premiere am 29. März 2015) sowie bei der Ballettpremiere "Verklungene Feste / Josephs Legende" (4. Februar 2015). Zudem sollte er ab November erneut für Leos Janaceks "Das schlaue Füchslein" und ab Dezember für Verdis "La Traviata" und auch für "Die Zauberflöte für Kinder" mit den Wiener Philharmonikern zum Taktstock greifen.

Salzburg-Absage

Dass der meist konziliant erscheinende Welser-Möst durchaus Zähne zeigen kann, hat er in der Vergangenheit öfter bewiesen. So hatte er im Dezember 2012 den Salzburger Festspielen seine Mitwirkung an einem zentralen Projekt, einem dreijährigen Mozart-Da-Ponte-Zyklus, abgesagt. Der Hauptkritikpunkt waren die zu kurzen Abstände zwischen den Aufführungen. Die Stimmung zwischen ihm und Festspielchef Alexander Pereira kühlte daraufhin merklich ab.

Geboren wurde Welser-Möst am 16. August 1960 als Franz Möst in Linz. Ursprünglich wollte er Geiger werden, die Folgen eines Autounfalls verbauten ihm diesen Weg. Er gab 1985 sein Debüt als Dirigent bei den Salzburger Festspielen, ein Jahr später hob die internationale Karriere mit dem Debütkonzert beim London Philharmonic Orchestra an, dessen Musikdirektor er in der Folge von 1990 bis 1996 wurde. In den USA dirigierte er erstmals 1989 beim Saint Louis Symphony Orchestra. An der Zürcher Oper stand er erstmals 1992 am Pult und brachte ab 1995 als Musikdirektor 27 Neuproduktionen hervor. Unter seiner Leitung erhielt das Zürcher Orchester die Auszeichnung als Orchester des Jahres 2000/01 in einer Umfrage der Zeitschrift "Opernwelt".

2005 übernahm er dort die neue Stelle des Generalmusikdirektors, aus dieser schied er im Sommer 2008 jedoch aus, um sich den Vorbereitungen für Wien widmen zu können. 2002 übernahm der Dirigent, der mit praktisch allen großen Orchestern zusammengearbeitet und in allen Metropolen der Musikwelt dirigiert hat, das renommierte Cleveland Orchestra, im selben Jahr wurde er von der Zeitschrift "Musical America" zum Dirigenten des Jahres 2003 gewählt.

Auch als Dirigent des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker war Welser-Möst in seiner Zeit als Generalmusikdirektor zweimal zu erleben. Erstmals dirigierte er das Klassikevent 2011, 2013 folgte ein Dacapo. Welser-Mösts Vertrag als Chefdirigent des Cleveland Orchestra läuft bis 2018. (APA/red, derStandard.at, 5.9.2014)

  • Franz Welser-Möst verlässt die Staatsoper.
    foto: epa/neubauer

    Franz Welser-Möst verlässt die Staatsoper.

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