USA bilden Bündnis zum Kampf gegen IS im Irak

6. September 2014, 12:54
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Einsatz von Bodentruppen weiterhin ausgeschlossen - Fünf Dörfer 25 Kilometer östlich von Mossul erobert - Deutschland liefert erste Tranche Ausrüstungshilfe

Newport - Die USA rufen ein Bündnis zum Kampf gegen die Miliz Islamischer Staat (IS) ins Leben. US-Außenminister John Kerry appellierte am Freitag an zehn NATO-Partner, als Mitglieder einer "Kernkoalition" am Kampf gegen den weiteren Vormarsch der Islamisten mitzuwirken. "Wir müssen sie in einer Art angreifen, dass sie nicht weiter vorstoßen können", sagte Kerry nach Gesprächen mit den Außen- und Verteidigungsministern der anderen Staaten am Rande des NATO-Gipfels in Wales. Zugleich müssten die irakischen Sicherheitskräfte gestärkt werden. Der Einsatz von Bodentruppen sei jedoch ausgeschlossen, darin seien sich die Verbündeten einig.

Der US-Außenminister warb dafür, bis zur UN-Vollversammlung in New York später im September einen Plan für das gemeinsame Vorgehen gegen die IS vorzulegen. An dem Treffen hätten Minister aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark, der Türkei, Polen, Kanada und Australien teilgenommen.

Allianz gegen IS hat für USA nichts mit Ereignissen von 2003 gemein

Die internationale Allianz hat nach Ansicht Washingtons aber nichts mit der Koalition beim Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 gemein. "Wir wollen auf keinen Fall, dass dies daran erinnert, was 2003 gemacht wurde", sagte Außenamtssprecherin Marie Harf am Freitag in Washington.

Die USA wollten nicht, "dass Vergleiche angestellt werden". Es werde nun "nicht dasselbe Strategienhandbuch" benutzt, betonte Harf.

Der Einmarsch der USA in den Irak im Jahr 2003 war von einer Koalition aus insgesamt 49 Staaten gestützt worden. Der von US-Präsident George W. Bush begonnene Militäreinsatz war allerdings international hoch umstritten. Ende 2011 zog Bushs Nachfolger Barack Obama die letzten US-Truppen aus dem Irak ab.

Harf betonte am Freitag, die USA hätten bei ihrem Kampf gegen IS keine Pläne für eine "militärischen Koordination" mit dem Iran. Zu der Frage waren aus dem Iran zuvor widersprüchliche Angaben gemacht worden. Die USA und der Iran unterhalten seit dem Jahr 1980 keine offiziellen Beziehungen.

Damals hatten Anhänger von Ayatollah Ruhollah Khomeini die US-Botschaft in Teheran 444 Tage lang besetzt und 52 US-Bürger als Geiseln genommen. In den vergangenen Jahren stritten sich beide Länder vor allem um das iranische Atomprogramm.

Kurden rücken weiter Richtung Mossul vor

Mit Unterstützung durch US-Luftangriffe sind kurdische Einheiten im Nordirak weiter auf die von IS-Extremisten kontrollierte Großstadt Mossul vorgerückt. Kurdische Peschmerga hätten rund 25 Kilometer östlich von Mossul fünf Dörfer zurückerobert, meldete die Nachrichtenseite Shafaaq News am Freitag. Die eingenommenen Orte liegen demnach an einer strategisch wichtigen Anhöhe.

Mossul rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad ist die zweitgrößte Stadt des Irak. Die IS kontrolliert sie seit Anfang Juni. Die kurdischen Einheiten hatten ihre Offensive gegen die Jihadisten vor rund einem Monat begonnen. Mitte August konnten sie den Mossul-Staudamm zurückerobern.

Deutsche Ausrüstungshilfe im Irak

Die deutsche Bundesregierung hat in der Nacht zum Freitag die erste Tranche ihrer Ausrüstungshilfe für die Kurden auf den Weg gebracht. Vom Flughafen Leipzig/Halle aus startete ein Transportflugzeug mit einer Ladung defensiver Ausrüstungsgegenstände in den Irak, wie die Bundeswehr mitteilte.

Noch nicht in der Ladung enthalten waren Waffen, auf deren Lieferung an die Kurden sich die deutsche Regierung am Sonntag verständigt hatte. Die erste Lieferung dieser Rüstungsgüter soll im Lauf des Septembers auf den Weg gebracht werden. Dabei wird es unter anderem um Panzerfäuste, Gewehre, Handgranaten und Munition gehen.

Ausrüstung für kurdische Kämpfer

An Bord der Maschine vom Typ Antonow waren rund 4000 Gefechtshelme und ebenso viele Schutzwestenr. Rund 700 Handfunkgeräte sollen die Kommunikation zwischen den kurdischen Verbänden verbessern. Zudem lieferte die Bundeswehr 680 spezielle Infrarot-Nachtsichtzielfernrohre. Auch Gerät zur Minen- und Munitionsbeseitigung war Bestandteil der Lieferung - so etwa 30 Minensonden, 20 Metallsuchgeräte sowie 40 Werkzeug- und Geräteausstattungen.

Erstes Ziel der Bundeswehrmaschine war die irakische Hauptstadt Bagdad, wo die Ladung von Regierungsbehörden inspiziert werden sollte. In Erbil sollte die Ladung dann an Vertreter der kurdischen Regionalregierung übergeben werden.

Die deutsche Regierung begründete die Rüstungshilfe für die Kurden damit, dass die IS-Kämpfer eine "existenzielle Gefahr" weit über die Grenzen des Irak hinaus darstellten. Die Jihadistenmiliz kontrolliert im Irak und in Syrien große Gebiete, verfolgt grausam Minderheiten sowie Andersdenkende und brüstet sich in schockierenden Videos mit der Enthauptung von zwei US-Journalisten.

Kampfflugzeuge

Die IS hat bei der Eroberung eines Militärflughafens im Nordosten Syriens indessen offenbar auch Kampfflugzeuge in die Hände bekommen. In einem am Freitag im Internet aufgetauchten Video der Extremisten vom Flughafen Al-Tabka sind mehrere Jets zu sehen. Bei Luftangriffen der Armee auf eine Hochburg der IS im Nordosten Syriens sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. (Reuters/APA, 6.9.2014)

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