Nowotny verteidigt EZB-Beschluss

4. September 2014, 23:07
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Mario Draghi öffnete neuerlich die Geldschleusen, Ewald Nowotny unterstützt die Entscheidung

Frankfurt/Wien - Europas oberster Notenbanker Mario Draghi hat am Donnerstag eine weitere Salve aus den geldpolitischen Geschützen der Europäischen Zentralbank abgefeuert. Gebetsmühlenartig hatte der EZB-Chef in den vergangenen Monaten wiederholt, die Währungshüter hätten noch viele Instrumente zur Verfügung, um die hartnäckig niedrige Inflation von nur 0,3 Prozent und das niedrige Wachstum anzukurbeln.

Am Donnerstag hat der EZB-Rat nun zur Überraschung aller Experten entschieden, die Leitzinsen um 0,1 Prozentpunkte zu senken. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt damit bei 0,05 Prozent (nach zuletzt 0,15 Prozent). Banken, die bei der EZB überschüssige Mittel horten wollen, anstatt die Kreditvergabe zu steigern, müssen dafür künftig einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen.

Nowotny: Heftige Diskussionen

Dass die Entscheidung keineswegs ohne heftige Diskussion abgegangen sei, sagte das österreichische EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, der im ORF-Fernsehen am Donnerstagabend die Entscheidung verteidigte. Die EZB wolle mit ihren Maßnahmen einen Beitrag zur Wirtschaftsbelebung im Euroraum leisten, auch wenn geldpolitische Schritte allein dafür wohl nicht ausreichten. Er selbst habe sich für diesen Schritt ausgesprochen.

Zuvor hatte die EZB auch und ein umfangreiches Programm zum Kauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen angekündigt. Welches Volumen dieses Programm haben werde, lässt sich laut Nowotny noch nicht abschätzen. Einige Experten hatten die Maßnahmen der EZB als wirkungslos oder fehlgeleitet kritisiert. Nowotny zeigte sich dagegen überzeugt, dass die Schritte hätten bereits Wirkung gezeigt, und verwies auf den Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar, was Exportwaren aus der Eurozone günstiger mache und damit die Wirtschaft ankurble. (red, derStandard.at. 5.9.2014)

  • Jetzt ist die Kuh aus dem Stall: Mit dem Kauf von Anleihen erfüllt EZB-Chef Draghi die Wünsche der Finanzmärkte.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Jetzt ist die Kuh aus dem Stall: Mit dem Kauf von Anleihen erfüllt EZB-Chef Draghi die Wünsche der Finanzmärkte.

  • Die Entwicklung des Leitzinses in der Eurozone und den USA.
    grafik: apa

    Die Entwicklung des Leitzinses in der Eurozone und den USA.

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