"Pado" schafft in Parndorf Fakten

7. September 2014, 09:42
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Drei Entwickler rangen um die letzten gewidmeten Wiesen in und um Parndorf. Seit kurzem ist klar, wer das Rennen gewonnen hat

Es war ein heftiger Dreikampf um Mieter, in dem sich einer schließlich durchsetzte, indem er einfach zu bauen begann: Mit dem Spatenstich für den Pado Shopping Park im burgenländischen Parndorf in der vorvergangenen Woche schuf die oberösterreichische Erlinger Immobilien GmbH klare Fakten. Um rund 23 Millionen Euro baut das Unternehmen auf dem schon länger gewidmeten Baugrund in Sichtweite der beiden Outlet-Center ein Fachmarktzentrum mit einer Verkaufsfläche von insgesamt rund 11.000 Quadratmetern.

In dem Ringen um die wichtigsten Ankermieter zogen die beiden anderen Bauwerber, die jeweils ähnliche Projekte (allerdings eher als Einkaufs-, nicht als Fachmarktzentrum) in Parndorf bzw. Neusiedl planten, damit vorerst den Kürzeren. In unmittelbarer Nähe zu Erlingers Baugrund wollte auch die Prädium Grundverwaltung GmbH ein neues Center mit 66.000 m² Verkaufsfläche errichten, das als "Hybrid" zwischen Einkaufs- und Fachmarktzentrum gedacht war. Schon im Herbst 2011 wurden die ersten Pläne für dieses schlicht Shopping Center Parndorf genannte Projekt verlautbart. Prädium-Chef Walter Steindl ließ von den ATP Architekten einen futuristisch anmutenden Entwurf erarbeiten, der stark an das ebenfalls von ATP geplante G3 in Gerasdorf erinnerte. Betreiberpartner war die Ekazent.

Im Juni 2012 kam es sogar zu einem ersten "offiziellen Spatenstich". Allerdings hatte man da bei weitem noch nicht den nötigen Vorvermietungsgrad erreicht, um mit dem Bau beginnen zu können. Vor einem Jahr sagte Ekazent-Chef Kurt Schneider dann, man habe die bisherigen Pläne verworfen und trachte danach, an diesem Standort nur ein Fachmarktzentrum umzusetzen.

"Neusee" im Schwebezustand

Nun, ein weiteres Jahr später, gibt Schneider im Gespräch mit dem STANDARD unumwunden zu, dass Erlinger "das Match um die Mieter gewonnen" habe. Die Ekazent habe sich aus dem Projekt auch bereits wieder verabschiedet, man arbeite bereits fieberhaft an einem neuen Shoppingcenter in Wien (über das Schneider aber noch nichts verraten will).

Das dritte im Nordburgenland geplante Projekt namens Neusee in Neusiedl, hinter dem ein Unternehmen von Wlaschek-Schwiegersohn Thomas Hönigsberger steckt, wird durch Erlingers Baustart naturgemäß ebenfalls infrage gestellt - auch wenn es dafür schon seit eineinhalb Jahren eine Website gibt, auf der "45 Shops auf 21.000 Quadratmetern" angepriesen werden.

Neusiedls Bürgermeister Kurt Lentsch ist beim Anruf des STANDARD auch eher ratlos, was die weitere Vorgangsweise betrifft. "Es sind alle Genehmigungen erteilt und alle Auflagen erfüllt, theoretisch könnte man morgen zu bauen beginnen", sagt er knapp. "Wir warten hier auch alle nur auf den Startschuss." Ob dieser in den nächsten Monaten kommen wird, ist aber fraglich. Bei der M&A Real Consult GmbH, die auf der Website als Ansprechpartner genannt wird, hieß es auf Anfrage, man wolle vorerst nichts dazu sagen.

Bürgermeister involviert

In den Dreikampf um die wichtigsten Mieter für den Standort wurde jedenfalls auch Parndorfs Bürgermeister Kovacs unfreiwillig hineingezogen, wie er berichtet: "Potenzielle Mieter haben mich angerufen und gefragt, welches Projekt denn nun am ehesten realisiert wird." Denn eines war allen klar: Wer die wichtigsten Mieter auf seine Seite ziehen kann, wird auch die restlichen Flächen rasch vollbekommen.

Als er die Verträge mit Billa, Bipa, Müller sowie C&A unterschrieben hatte, sei ihm klar gewesen, dass sein Projekt umgesetzt werden könne, sagt Erlinger zum Standard. Aktuell weise das Projekt Pado nun schon einen Vorvermietungsgrad von 85 Prozent auf; besonders stolz ist der Entwickler auf den Mieter L'Osteria, der in seinem Objekt auf 900 m² ein italienisches Restaurant mit 300 Sitzplätzen errichten wird.

Eröffnung im Frühjahr

Die Bauarbeiten sollen rund zehn Monate dauern, schon für 19. März 2015 ist die Eröffnung des Pado Shopping Park geplant, sagt Erlinger nicht ohne Stolz. Parndorfs Bürgermeister Kovacs ist allerdings nicht ganz so euphorisch: Bei einem harten Winter werde dieser Termin wohl schwer zu halten sein.

Kovacs ist übrigens auch überzeugt davon, dass der Bauplatz, auf dem das Prädium-Center geplant war, noch bebaut wird; zu viel Geld sei dort bereits investiert worden, mit Anschlüssen und Straßenzufahrten, als dass man das so einfach aufgeben könne. Das Areal "direkt an der Autobahnabfahrt" sei außerdem das bessere der beiden Baufelder, die in seiner Gemeinde liegen. Möglicherweise sei nun aber ein anderes Konzept gefordert, etwa mit einem Möbeldiskonter als Partner; für einen solchen wäre im Nordburgenland durchaus noch Platz.

Outlets erweitern

Ausbauen wollen aber auch die beiden Outlet-Center in Parndorf, das Designer Outlet und das Fashion Outlet Parndorf. Bei Ersterem laufe die fünfte Ausbaustufe, berichtet Bürgermeister Kovacs. "In der ersten Runde des UVP-Verfahrens gingen die Pläne wegen zu vieler Parkplätze nicht durch, das wurde dann angepasst." Das Fashion Outlet, das aus der Verschmelzung des Villaggio und der Galerien Parndorf entstand (der Name Villaggio ist mittlerweile völlig verschwunden), will eine bisher als Parkplatz genutzte Fläche verbauen. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 6.9.2014)

  • Am Pado Shopping Park in Parndorf wird seit wenigen Wochen gebaut. Entwickler Erlinger konnte am schnellsten die wichtigsten Mieter ins Boot holen.
    visualisierung: erlinger immobilien

    Am Pado Shopping Park in Parndorf wird seit wenigen Wochen gebaut. Entwickler Erlinger konnte am schnellsten die wichtigsten Mieter ins Boot holen.

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