Ein Schlachtschiff auf Beinen

4. September 2014, 20:08
57 Postings

Fossilienfund in Patagonien: Mit dem 26 Meter langen Dreadnoughtus wuchtet sich eine neue Spezies in die Liga der größten Landtiere aller Zeiten

Philadelphia/Wien - Wenn es um die Benennung von Sauropoden geht, haben sich Paläontologen stets von ihrer kreativen Seite gezeigt: Supersaurus, Giraffatitan oder - suggerierend, sein Schritt würde Erdbeben auslösen - Seismosaurus. Im Namensverzeichnis dieser mit ihrem langen Hals und Schwanz ikonisch wirkenden Dinosauriergruppe zu blättern ähnelt einem Blick in einen Katalog für Actionfiguren.

Nun präsentiert ein Paläontologenteam um Kenneth Lacovara von der privaten Drexel-Universität in Philadelphia im Fachjournal "Scientific Reports" eine bislang unbekannte Sauropodenspezies aus der Kreidezeit. Einmal mehr handelt es sich dabei um einen Vertreter der für ihre besondere Größe berühmten Untergruppe der Titanosaurier. Dreadnoughtus wurde als Bezeichnung für diese Spezies gewählt, benannt nach den Schlachtschiffen des frühen 20. Jahrhunderts.

Auch die wörtliche Übersetzung von Dreadnought, "Fürchtenichts", wirkt passend, denn die Dimensionen des Tiers, die aus dessen in Südpatagonien gefundenen Fossilien berechnet wurden, sind beeindruckend. Mit 26 Metern Länge und einem geschätzten Gewicht von etwa 60 Tonnen hatte ein Dreadnoughtus schrani vermutlich kaum ein anderes Tier zu fürchten. Und das gefundene Exemplar war noch nicht einmal vollständig ausgewachsen, wie die Analyse der Knochen zeigte.

Bislang vollständigstes Titanosaurier-Skelett

Schätzung ist dabei ein wichtiges Stichwort, denn Meldungen über neue Anwärter auf den Titel des größten Landtiers aller Zeiten kommen immer wieder - wie erst diesen Mai über einen vielleicht 40 Meter langen Verwandten von Dreadnoughtus, ebenfalls ein Titanosaurier. Allerdings kann zumeist nur aus vereinzelten Knochen auf die Größe der Tiere geschlossen werden, während das Skelett von Dreadnoughtus zu 45 Prozent vollständig erhalten ist.

Dass Lacovara die Wehrhaftigkeit des Tiers und dessen "wie eine Waffe einsetzbaren" Peitschenschwanz betont, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen friedlichen Pflanzenfresser handelte. Und genau genommen auch um ein evolutionäres Auslaufmodell.

Die Sauropoden hatten sich vor etwa 220 Millionen Jahren entwickelt und stellten lange Zeit die dominierende Gruppe großer Pflanzenfresser dar. Zu Lebzeiten von Dreadnoughtus hingegen, vor etwa 84 bis 66 Millionen Jahren, waren sie in vielen Teilen der Welt bereits von leichter gebauten Dinosauriern abgelöst worden.

Südamerika war eine der Regionen, in denen die Sauropoden eine letzte Blütezeit erlebten - und in der sie sogar einige ihrer allergrößten Vertreter hervorbrachten. Bis sie schließlich durch den Asteroideneinschlag vor knapp 66 Millionen Jahren zusammen mit allen anderen Dinosauriern außer den Vögeln ausgelöscht wurden. (Jürgen Doppler, DER STANDARD, 5.9.2014)

  • In einer Familie von Riesen war Dreadnoughtus schrani ein Gigant. Auf seinem Rücken sind winzig wirkende Vögel zu sehen, die zur selben grundlegenden Entwicklungslinie der Dinosaurier zählen wie ihr Träger.
    foto: mark a. klingler

    In einer Familie von Riesen war Dreadnoughtus schrani ein Gigant. Auf seinem Rücken sind winzig wirkende Vögel zu sehen, die zur selben grundlegenden Entwicklungslinie der Dinosaurier zählen wie ihr Träger.

  • Der Schwanz des Sauropoden ist hervorragend erhalten geblieben. Auf dem Bild darunter wirft sich Paläontologe Kenneth Lacovara in eine uns mittlerweile vertraute Pose: Längenvergleich mit einem Dinosaurierknochen (in diesem Fall ein Schienbein).
    foto: kenneth lacovara

    Der Schwanz des Sauropoden ist hervorragend erhalten geblieben. Auf dem Bild darunter wirft sich Paläontologe Kenneth Lacovara in eine uns mittlerweile vertraute Pose: Längenvergleich mit einem Dinosaurierknochen (in diesem Fall ein Schienbein).

  • Artikelbild
    foto: kenneth lacovara
Share if you care.