Abschied vom König der Burg

4. September 2014, 17:49
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Am Donnerstag erwiesen Familie, Publikum, Künstlerkollegen und Politiker dem großen Schauspieler Gert Voss die letzte Ehre. Unter anderen würdigte Claus Peymann das einzigartige Genie

Wien - "Keine Angst vor dem Tod haben: Das wäre erstrebenswert", hatte Gert Voss einmal in einem STANDARD-Interview gesagt. Dass er auf der Feststiege aufgebahrt, um das Burgtheater getragen und in einem Ehrengrab beigesetzt würde, kommentierte er trocken: "Aber das passiert ja dann ohne mich, ohne das, was ich wirklich bin." Oft hatte Gert Voss recht, auf der Bühne immer. Diesmal nicht. Sein Geist war spürbar.

Was er wirklich war und in der Erinnerung für immer bleibt - einzigartiger Charakterschauspieler, großartiger Komödiant, überragender Kollege, geliebter Ehemann und Vater, vor allem aber ein unersetzbarer, wunderbarer Mensch - dessen gedachten die Rednerinnen und Redner, allen voran Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann. "35 Jahre lang, mein ganzes Theaterleben, war Gert Voss mein Wegbegleiter", sagte sie mit Tränen in der Stimme: "Vielleicht würde ich gar nicht hier stehen, wenn ich nicht so viel von ihm über den Schauspielerberuf gelernt hätte." Die Präsentation des Buches Gert Voss auf der Bühne, das Voss' Ehefrau, die Dramaturgin Ursula Voss, herausgegeben hatte, müsse nun ohne ihn am letzten Novemberwochenende stattfinden.

Am 13. Juli war Voss nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend gestorben. Der "listigste Feind, den man hat" (Voss) hatte den großen Schauspieler besiegt. Und viele, alle, kamen, um dies zu betrauern, u. a. Elisabeth Orth, Klaus Maria Brandauer, Martin Schwab, Tobias Moretti, Paulus Manker, Barbara Petritsch, Andrea Clausen, Sunnyi Melles, Peter Matic, André Heller, Michael Haneke, alle. Luc Bondy und Johanna Wokalek hielten berührende, persönliche Zwiesprachen mit Gert, dem Freund, mit Voss, dem großartigen Künstler, mit dem Menschen, der abseits des Theaters "ein scheuer Mensch" war: "Das Theater war das Kloster, und du warst der Mönch", sagte Wokalek. Philipp Hauß betonte den Einfluss von Voss auf nachfolgende Schauspielgenerationen. Er habe die Art zu spielen grundlegend verändert: "Gert hatte eine eigene Art, im gleichen Augenblick leicht und tief zu sein."

Neben Kulturminister Josef Ostermayer, der Voss für alles dankte, "was Sie für das Theater, die Stadt, aber auch darüber hinaus geleistet haben", reihten sich auch Ex-Kulturministerin Hilde Hawlicek, Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in den langen Trauerzug, der Voss noch einmal um das Burgtheater begleitete. Auch die ehemaligen Burgchefs Nikolaus Bachler, Matthias Hartmann und Claus Peymann erwiesen Voss die letzte Ehre. Peymann erinnerte sich an 46 turbulente Theaterjahre, die er mit Voss erlebt hatte, an Höhepunkte und Krisen. Pflichtgemäß, sagte Peymann, sei Voss in der spielfreien Zeit gestorben, sodass keine Programmänderung nötig war. Jeden Tag habe er an Gert gedacht, an den "Eisblock, auf dem der Sarg lag. Jetzt wird er endlich Ruhe finden. Es ist ja nur ein Maskenspiel, das zu Ende geht. Wir tragen ein großes Kind zu Grabe, ein Genie, einen der größten Schauspieler unserer Zeit."

Die Rede am Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Zentralfriedhof hielt Hermann Beil: "Ach, hätten wir nur ein wenig von dem, was er alles hatte und konnte, dann wäre diese Stunde hier mit Herrlichkeit geschmückt, denn unsere Klage würde sich zum magischen Totenfest verwandeln. Und über allem läge Zauber." (Andrea Schurian, DER STANDARD, 5.9.2014)

  • Nachdem Gert Voss ein letztes Mal um das Burgtheater geleitet worden war, wurde er in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
    foto: robert newald

    Nachdem Gert Voss ein letztes Mal um das Burgtheater geleitet worden war, wurde er in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

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