Telefónica stach Milliardär Slim in Brasilien aus

4. September 2014, 17:20
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Spanischer Telekom-Gigant rüstet Internetgeschäft mit Milliardenzukauf auf

Granada -In Brasilien ist mit seinen 200 Millionen Einwohnern und einem kontinuierlichen Wachstum über die vergangene Dekade hinweg ein Telekommarkt mit einem Volumen von 70 Milliarden Euro entstanden. Diese Größe weckt naturgemäß Begehrlichkeiten unter den großen, globalen Telekomplayern. So ist Spaniens Telekomgigant Telefónica ebenso aktiv wie América Móvil des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, Portugal Telecom (Oi), Vivendi aus Frankreich und Telecom Italia.

Am Handymarkt dominieren zwar längst die Spanier und Slim, mit dem Netz Claro. Beide halten 60 Prozent aller Verträge, was bereits die Wettbewerbshüter auf den Plan rief. 4,6 Millionen Euro musste Telefónicas Vivo wegen Wettbewerbsverzerrung an Bußgeld zahlen, als man seine Anteile an Telecom Italia (TIM Brasil, mit fast 24 Prozent Marktanteil) drastisch erhöht hatte.

Speziell der Markt für Breitbandinternet ist freilich noch hochinteressant: Denn während fast jeder Brasilianer ein Festnetz- und Mobiltelefon hat, harrt der Internetmarkt noch seiner Erschließung. Gerade einmal knapp acht Prozent der Bevölkerung haben einen solchen. Nur ebenso wenige verfügen über PayTV.

Nun im aktuellen Finale des Bieterstreits um GVT (Global Village Telecom, die Breitbandtochter von Vivendi) gingen zuletzt die Wogen und vor allem die Scheckbücher hoch. Die Spanier erhöhten überraschend ihr Offert um weitere 750 Millionen Euro auf stattliche 7,45 Milliarden Euro. Damit setzten sie sich gegen Slims América Móvil und auch Telecom Italia - die immerhin sieben Milliarden Euro aufbringen wollten - durch.

Nun gelte es, an Details des Vertrags zu feilen, mit dem Telefónica mit 31 Prozent zum Marktführer im Segment Breitband wird. Im Pay-TV verdoppeln die Spanier durch die Übernahme ihre Position und sind Dritter hinter América Móvil und Sky mit fast 1,4 Mio. Kunden.

Von der Kaufsumme sollen an den derzeitigen Eigentümer Vivendi immerhin 4,66 Milliarden Euro in bar bezahlt werden, berichtete El País, der Rest in Aktien. Eine ansehnliche Summe, auch in Anbetracht des hohen Schuldenstands von Telefónica, der auch einer Kapitalerhöhung von 3,4 Milliarden Euro bedarf. Doch deren Plan ist es, im Zuge der GVT-Operation auch die eigenen Aktiva der TIM, an der man noch 8,3 Prozent von einst 14,8 Prozent hält, zu veräußern. Die Italien-Expansion, wo man 2007 mehr als zwei Milliarden Euro investiert hatte, war für Telefónica ohnehin ein Verlustgeschäft. Wie Expansión berichtet, gehe Telefónica-Chef César Alierta bereits fix davon aus, dass Vivendi jenes Aktienpaket auch übernehmen werde. Was eigentlich gegen die Strategie der Franzosen steht, aus einzelnen Telekombereichen auszusteigen, wie bei Maroc Telecom und SFR. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 5.9.2014)

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