Was der Finanzminister für Anleger tun könnte

5. September 2014, 05:30
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Steuerliche Anreize, Impulse für die private Pensionsvorsorge: Die Wunschliste der Kapitalmarkt-Community ist lang

Wien - Auf den neuen Finanzminister Hans Jörg Schelling warten mit der Steuerreform und den Problemen bei den verstaatlichten Banken einige Großbaustellen. Aber auch der Kapitalmarkt bzw. Anlegervertreter hoffen auf das Geschick von Schelling.

Steuerliche Anreize für langfristiges Vorsorgen mit Fonds wünscht sich etwa Heinz Bednar vom neuen Finanzminister. Die Politik sollte die Möglichkeit schaffen, "dass private Anleger mit einem längeren Veranlagungshorizont ein Portfolio als 'Vorsorge' kennzeichnen können", sagt der Präsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) und Vorstandschef der Erste Asset Management zum Standard. Ein Blick ins Ausland zeigt: In Tschechien sind Fonds nach einer Behaltefrist von drei Jahren steuerbefreit, in Ungarn nach fünf Jahren - wenn man damit dezidiert für die Pension vorsorgt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger. Als "gutes Signal an den Kapitalmarkt" würde er eine Begrenzung der Kapitalzuwachssteuer für Wertpapiere auf eine Behaltefrist von sieben bis zehn Jahren begrüßen. Wer die Papiere so lange halte, könne nicht als Spekulant gelten und für den Wertzuwachs bestraft werden. Das würde auch die Banken entlasten, "weil sie nicht mehr alle Daten vorhalten müssen".

Ein besseres Bewusstsein für den Kapitalmarkt als Standortfaktor wünscht sich Birgit Kuras, Chefin der Wiener Börse. Sachliche Kommunikation und Information wären hierfür ein wichtiger Beitrag vom Finanzminister. Für Unternehmen sei es zudem "extrem wichtig, dass ihnen der Zugang zu Eigenkapital als Alternative zum Kredit erleichtert wird", hält Kuras fest. In Österreich ist Fremdkapital derzeit gegenüber Eigenkapital bevorzugt: Bei einem Kredit sind Zinsen von der Steuer absetzbar. Hier brauche es einen Ausgleich, sagt Kuras.

Die steuerliche Gleichstellung von Eigenkapital und Fremdkapital hat auch für Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek Priorität, "um gerade KMUs die Finanzierung über die Börse schmackhaft zu machen".

Schutz bei Crowdfunding

Die Arbeiterkammer wünscht sich von der neu zusammengesetzten Regierung unter anderem eine Entwicklung bei der Umsetzung von Gruppenklagen. Denn die Möglichkeiten von vielen geschädigten Anlegern mit gleichartigen Ansprüchen seien derzeit nur schwierig umzusetzen. Das verhindere den Zugang zum Recht, denn vor allem Kleinanleger scheuten oft die individuellen Kosten eines Verfahrens. In puncto Anlegerentschädigung werde seit Jahren eine Richtlinie in Brüssel verhandelt. "Die Entschädigungsgrenze bei Wertpapieren sollte von derzeit 20.000 Euro auf 50.000 Euro erhöht werden", sagt AK-Konsumentenschützer Christian Prantner. Wichtig ist der AK auch eine Etablierung des Anlegerschutzes beim neuen Finanzierungselement Crowdfunding.

Die Pensionsvorsorge kommt bei den Wünschen an den Finanzminister oft vor. Bednar etwa fordert neben der jetzigen staatlich geförderten Pensionsvorsorge mit Kapitalgarantie auch eine Variante ohne Kapitalgarantie. Ohne die Kosten für die Garantie bliebe eine höhere Ertragserwartung für die Anleger. Solch eine Variante schlägt auch Rasinger vor.

Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs, wünscht sich eine Aufnahme der Pflegeversicherung in die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge. Derzeit fördert der Staat bei der Zukunftsvorsorge Eigenleistungen mit 4,25 Prozent. Rapf fände es gut, wenn der Kunde entscheiden könnte, ob er die 4,25 Prozent voll für die Zukunftsvorsorge oder teilweise auch für eine Pflegeversicherung einsetzen kann.

Der Obmann im Fachverband der Pensionskassen, Chef der Valida-Vorsorge und ÖVP-Nationalratsabgeordneter, Andreas Zakostelsky, appelliert an Schelling, steuerliche Anreize für die betriebliche und private Vorsorge zu setzen. "Die Absetzbarkeit der Arbeitnehmerbeiträge wäre ein guter Anreiz". Eine Erhöhung der Kapitalertragsteuer hingegen "würde niemanden freuen". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 5.9.2014)

  • Beim Blick auf seine Agenda könnte Hans Jörg Schelling ins Schwitzen geraten.  Auch am Kapitalmarkt warten viele Baustellen.
    foto: ap/hans punz

    Beim Blick auf seine Agenda könnte Hans Jörg Schelling ins Schwitzen geraten. Auch am Kapitalmarkt warten viele Baustellen.

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