Droht Gefahr, beschleunigen Baumfrösche ihre Entwicklung

4. September 2014, 14:11
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Erstmals konnten Wissenschafter umweltbedingtes Schlüpfen bei südostasiatischen Amphibien dokumentieren

Untersuchungen von Wissenschaftern von der National University of Singapore (Singapur) zeigen, dass Mutter Natur viel flexibler ist, als man gemeinhin annehmen würde. In einem Artikel im Fachjournal "Behavioral Ecology and Sociobiology" beschreiben die Forscher unter der Leitung von Sinlan Poo und David Bickford, wie ein asiatischer Baumfrosch seinen Lebenszyklus durch früheres Schlüpfen beschleunigt, wenn seine Eier ins Visier von Fressfeinden geraten.

Der Baumfrosch Chiromantis hansenae lebt in Thailand und Teilen von Kambodscha. In der Regenzeit sieht man gallertige Massen seiner Eier an Pflanzen, die über Wasserlachen hängen. Unmittelbar vor dem Schlüpfen löst sich das gesamte Gelege von der Pflanze und fällt ins Wasser. Fast gleichzeitig schlüpfen die kleinen Kaulquappen aus der gallertigen Masse, in der sie sich entwickelt haben. Dieser ganze Vorgang klingt einfacher, als er tatsächlich ist: Häufig lebt eine Heuschreckenart (Hexacentrus cf. unicolor) an diesen Wasserlachen, die sich gerne erwachsene Frösche wie auch deren Eier schmecken lässt.

Umweltfaktoren beeinflussen Schlüpfzeit

Die Studie wurde in einem Freiluftlaboratorium in der Sakaerat Environmental Research Station in Thailand durchgeführt, wo die Frösche in Glasaquarien gehalten werden. Mithilfe einer Zeitrafferkamera hielten die Wissenschafter die Ergebnisse ihrer Experimente mit 70 Gelegen fest. So konnten Poo und Bickford bei südostasiatischen Amphibien und erstmalig bei der Familie der Ruderfrösche (Rhacophoridae) dokumentieren, dass Umweltfaktoren ein frühzeitiges Schlüpfen auslösen.

Hatten Poo und Bickford einen Teil eines Geleges mit frisch gelegten Eiern entfernt, begann der Schlüpfvorgang viel früher als bei ungestörten Gelegen. Wenn sich Heuschrecken wiederum ältere, vier Tage alte Embryos einverleibten, kam es innerhalb einer Stunde danach zum Schlüpfen der übriggebliebenen Eier. Ältere Embryos, die der Heuschrecke entgingen, schlüpften dabei um ein Fünftel früher als solche aus ungestörten Gelegen.

Im Visier von Feinden

Zum beschleunigten Schlüpfen kommt es, wenn die Eier ins Visier von Fressfeinden geraten. Ausgelöst wird es vermutlich durch chemische Signalstoffe, die freigesetzt werden, wenn Embryonen zerstört werden oder die Struktur des gesamten Geleges beschädigt wird. Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass das frühe Schlüpfen unabhängig ist von der Größe des Froschweibchens oder der Zeit, die es mit dem Hüten des Geleges verbrachte. "Werden sie gestört, können sowohl junge als auch alte Embryos von Baumfröschen früher schlüpfen", sagt Poo.

"Das Schlüpfen ist im Lebenszyklus dieses Baumfrosches ein flexibler, oft äußeren Einflüssen unterworfener Vorgang. Denn die Froschembryos sind in der Lage, auf akute Signale, etwa die Anwesenheit eines Fressfeindes, zu reagieren, und flüchten dann ins nächste Lebensstadium", erklärt Bickford, der davon ausgeht, dass diese Fähigkeit dem Frosch einen Anpassungsvorteil verschafft. (red, derStandard.at, 4.9.2014)


Abstract
Behavioral Ecology and Sociobiology: Hatching plasticity in a Southeast Asian tree frog

  • Gerät das Geleg von Chiromantis hansenae ins Visier von Fressfeinden, so kommt es zum beschleunigten Schlüpfen.
    foto: s poo

    Gerät das Geleg von Chiromantis hansenae ins Visier von Fressfeinden, so kommt es zum beschleunigten Schlüpfen.

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