OMV-Chef ist Gagenkaiser

4. September 2014, 17:04
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Wie viel darf ein ATX-Manager verdienen? 47-mal mehr als das österreichische Durchschnittsgehalt ist laut AK zu viel. Die Industriellenvereinigung ortet eine "Neiddebatte

Wien - Die weltweite Finanzkrise hat in einigen Bereichen für eine Neuordnung gesorgt - auch bei den Vorstandsgagen. Dort aber anders, als man im ersten Moment vielleicht denken mag. Eine Analyse der Vorstandsgagen im Vergleich zur Wertentwicklung des Wiener Leitindex ATX zeigt, "dass die Gagen sich 2008 mit dem Ausbruch der Krise gänzlich von der Entwicklung an den Börsen abgekoppelt haben", sagt Christina Wieser von der Arbeiterkammer.

Denn während der ATX nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 auf Talfahrt ging und bis heute nur einen Teil der Verluste wieder gutmachen konnte, sind die Vorstandsbezüge auf sehr hohem Niveau geblieben. In Prozentzahlen ausgedrückt: Von 2003 bis 2013 legten die Managergehälter um 137,5 Prozent zu, der ATX kletterte in diesem Zeitraum nur um knapp 65 Prozent in die Höhe.

Die im ATX notierten Unternehmen erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2013 bzw. 2013/2014 einen Umsatz von insgesamt 113,1 Milliarden Euro (minus 1,7 Prozent im Vergleich zu 2012) und erzielten Gewinne von 5,1 Mrd. Euro (minus 9,8 Prozent). Das Betriebsergebnis der ATX-Konzerne lag bei 6,3 Mrd. Euro - ein Minus von 10,5 Prozent. Trotz rückläufiger Gewinne erreichte das durchschnittliche Vorstandsgehalt eines ATX-Managers aber erneut 1,3 Mio. Euro, insbesondere bedingt durch hohe Abfertigungs- und Abfindungszahlungen.

Damit liegt der ATX-Vorstandsbezug im Schnitt beim 47-Fachen eines österreichischen Durchschnittsgehalts (Medianwert der Einkommen in Österreich von der Putzfrau bis zum Direktor; über alle Branchen und Beschäftigungsmodelle - also inklusive Teilzeitbeschäftigung - hinweg).

Zwar ergibt sich laut der von der AK alljährlich erstellten Studie im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang von 1,7 Prozent (der Bezug im Vorjahr lag beim 49-Fachen des Durchschnittsgehalts) - dies aber nur aufgrund der geänderten ATX-Zusammensetzung, heißt es. In der heurigen Studie sind Flughafen Wien und Uniqa vertreten. Sie kamen anstelle von Strabag und EVN in den Leitindex. Würde man das Vorjahresergebnis um die beiden Unternehmen bereinigen, wären die Vorstandsgagen um 6,5 Prozent gestiegen.

8,8 Millionen für Spitzentrio

Sieht man sich die Bezüge der einzelnen ATX-Bosse an, zeigt sich, dass OMV-Chef Gerhard Roiss mit 3,4 Mio. Euro, OMV-Finanzvorstand David C. Davies mit 2,8 Mio. Euro und Voest-Chef Wolfgang Eder mit 2,6 Mio. Euro an der Spitze der ATX-Gehaltspyramide stehen. "Von Verhältnismäßigkeit bei den Bezügen kann hier keine Rede sein", erklärt AK-Präsident Rudi Kaske. Er fordert eine Beschränkung der variablen Bezüge (inklusive aktienbasierter Vergütung) auf maximal 50 Prozent des Fixgehalts. Zudem brauche es Maßnahmen, um unangemessen hohe Abfertigungen bzw. Abfindungen sowie Pensionszusagen zu unterbinden. Bei vorzeitiger Auflösung des Vertrages solle die Abfindung ein Jahresgehalt sowie die Restlaufdauer des Vertrages nicht überschreiten.

Im Vergleich mit den Bezügen in Europa verdienen die heimischen Manager unterdurchschnittlich und liegen beim Einkommen "im unteren Drittel", kontert die Industriellenvereinigung. "Derart künstlich Neiddebatten herbeizureden" sei "unnötig", heißt es. (bpf, DER STANDARD, 5.9.2014)

  • OMV-Chef Gerhard Roiss sahnt 3,4 Mio. Euro ab.
    foto: reuters/heinz peter bader

    OMV-Chef Gerhard Roiss sahnt 3,4 Mio. Euro ab.

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    grafik: apa
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