Mineralwasser getestet: Sechs von 21 Produkten verunreinigt

4. September 2014, 11:16
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Vier Produkte enthielten Pestizide, eines Spuren von Süßstoff, ein weiteres Korrosionsschutzmittel

Wien/Kobersdorf/Brixlegg - Mineralwasser sollte laut Verordnung von "ursprünglicher Reinheit" sein. Bei einer im Auftrag von Global 2000 durchgeführten Untersuchung stellte das Umweltbundesamt aber in sechs von 21 heimischen Produkten Verunreinigungen fest. Die Mineralwässer seien aber trotzdem ohne Gefahr genießbar, hieß es, da die Substanzen nur in geringen Mengen vorhanden waren.

15 der 21 getesten Mineralwassermarken waren demnach frei von nachweisbaren Verunreinigungen. In vier Erzeugnissen wurden Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen. Ein Produkt enthielt Spuren des künstlichen Süßstoffs Acesulfam-K, ein weiteres geringe Mengen des Korrosionsschutzmittels Benzotriazol, berichtete Global 2000 auf seiner Homepage.

Nur geringe Konzentrationen

"Diese Substanzen haben im Grundwasser nichts und im Mineralwasser schon gar nichts verloren", sagte Gundi Lorbeer, Leiterin des Bereichs Stoffe und Analysen im Umweltbundesamt. "Aufgrund der geringen Konzentrationen, die wir im Umweltbundesamt-Labor gemessen haben, kann für Konsumenten aber Entwarnung gegeben werden: Es besteht keinerlei Gesundheitsgefahr beim Genuss der Mineralwässer."

Die Messergebnisse deuten laut Global 2000 darauf hin, dass zwei Quellen durch Pestizidspuren verunreinigt wurden. Eine liege in Kobersdorf im Burgenland in 200 Meter Tiefe und bringe die Mineralwässer "Waldquelle" und "Clever Urquelle" hervor, die beide mit dem Pestizid-Metaboliten Metazachlor-ESA belastet gewesen seien, im Fall der "Waldquelle" am Trinkwassergrenzwert.

Die andere Quelle befinde sich nahe Brixlegg in Tirol und fördere unter anderem die Marken "Alpquell Tirol" und "S-Budget Astoria" zutage. Beide hätten Spuren des Pestizid-Metaboliten N,N-Dimethylsulfamid enthalten.

Pflanzenschutzmittel im Boden

Das Umweltbundesamt habe schon im Jahr 2010 in 40 Prozent der untersuchten Grundwassermessstellen Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln über dem Trinkwassergrenzwert von 0,1 µg/lg gefunden. "Dass aber Pestizide bis in die steinigen Tiefen der österreichischen Mineralwasserquellen vordringen, hätten wir nicht erwartet", sagte Helmut Burtscher, Umweltchemiker von Global 2000.

Süßstoff kann in Kläranlagen nicht gefiltert werden

Der in dem Kärntner Heilwasser "Preblauer" festgestellte Zuckerersatzstoff Acesulfam ist häufig in "Light"-Produkten enthalten und kann in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Auch das in Geschirrspül-Tabs eingesetzte Korrosionsschutzmittel Benzotriazol werde von Kläranlagen nicht zurückgehalten. Geringe Mengen davon fanden sich laut Burtscher im Tiroler Mineralwasser "Montes".

Reaktion der österreichischen Abfüller

Heimisches Mineralwasser werde streng kontrolliert und könne bedenkenlos getrunken werden, hielt Herbert Schlossnikl, Sprecher des Forums Natürliches Mineralwasser und im Vorstand des Abfüllers Vöslauer, zum Global-2000-Test fest. "Ein erwachsener Mensch müsste zwischen 1.000 bis mehrere Millionen Liter Mineralwasser am Tag trinken, bevor ein Grenzwert überhaupt erreicht wird."

Mineralwasser unterliege der amtlichen Lebensmittelkontrolle und werde laufend genau überprüft. Für natürliches Mineralwasser ist zusätzlich die amtliche Anerkennung durch das Gesundheitsministerium vorgeschrieben, erläuterte Schlossnikl.

Waldquelle überlegt Klage

Waldquelle Kobersdorf Ges.m.b.H. lasse bereits rechtliche Schritte prüfen, heißt es in einer Aussendung. "Waldquelle Kobersdorf Ges.m.b.H. kann für alle ihre Produkte garantieren, dass alle gesetzlichen Vorschriften immer eingehalten wurden und werden. Alle vorgeschriebenen Untersuchungen werden regelmäßig durchgeführt und sind auch dokumentiert", informiert die Firma. (APA, 4.9.2014)

  • Die Proben sind verunreinigt, aber in geringen Konzentrationen.
    foto: reuters/david mdzinarishvili

    Die Proben sind verunreinigt, aber in geringen Konzentrationen.

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