Schmerzpatienten fordern Hanf-Straffreiheit

4. September 2014, 12:42
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Das Cannabisverbot steht für die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser außer Zweifel. Befürworter einer Legalisierung bringen nun ein für Österreich neues, medizinisches Argument vor

Wien/Berlin - Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) will am Cannabisverbot nicht rütteln. Das sagte sie gleich bei ihrem Einführungs-Fernsehinterview am Montag. Für den Salzburger Wilhelm Wallner ist das keine gute Nachricht.

Seit Jahren bekämpft der 55-jährige Ex-Fernfahrer und Invaliditätspensionist seine starken Schmerzen und Depressionen mit dem in der Hanfpflanze enthaltenen Tetrahydrocannabinol (THC). "2004 hatte ich einen Arbeitsunfall, mein linkes Bein wurde verletzt. Nach einer Fehldiagnose wurde mir ein neues Sprunggelenk implantiert", erzählt er. Danach habe er den Alltag nur mehr mit Opiaten und Morphium bewältigen können, mit massiven Nebenwirkungen.

Privatlösung wird politisch

Bis er 2008 Cannabis als Behandlungsalternative entdeckte und begann, es selber anzubauen: Eine Privatlösung, die er inzwischen zum politischen Ziel erhoben hat. Im Rahmen des von ihm gegründeten Cannabis Social Club (CSC) Salzburg setzt er sich, wie mehrere derartige Vereine in Österreich, für die Zulassung von Cannabis zur Eigenmedikation ein. Im deutschen Köln ließ das der Verwaltungsgerichtshof im Juni in drei Fällen zu - vor drei Tagen berief der Bund gegen den Spruch.

"Das Konzept der österreichischen Cannabis Social Clubs sieht einen geschlossenen Anbau- und Konsumzyklus vor. Unter ärztlicher Kontrolle sollen Vereinsmitglieder Hanf zum Selbstkostenpreis erhalten", schildert Gerald Wagner, Krankenpfleger und Obmann des CSC Wiener Neustadt. Auch eine generelle Legalisierung würde er befürworten. Sein Ziel jedoch sei, Patienten, denen Marihuana helfe und die es selbst kultivierten, vor Kriminalisierung zu bewahren.

Freispruch mit Auflage

Mit dieser hat Schmerzpatient und CSC-Salzburg-Gründer Wallner schon Bekanntschaft gemacht. Dreimal kam die Polizei und schnitt seine Ernte ab. 2013 stand er vor Gericht. Mit der Auflage, dass er sich zwei Jahre lang wohlverhalten müsse, wurde das Verfahren eingestellt.

Seither beschränkt sich Wallners Marihuanakonsum auf das zugelassene, auf Verschreibung erhältliche Medikament Sativex. Dieses enthält einen Dickextrakt aus Cannabisblättern und -blüten. Hanf, um es herzustellen, wächst unter anderem auf einer Plantage der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages).

Medikament um 700 Euro

Eine aus drei kleinen Fläschchen bestehende Packung Sativex koste rund 700 Euro; in seinem Fall zahle die Kasse: "Die gleiche Menge Cannabis kann ich um rund 30 Euro herstellen", sagt Wallner. (Irene Brickner, DER STANDARD, 4.9.2014)

  • Hanf für die Herstellung des Medikaments Sativex wächst unter anderem auf einer Plantage der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.
    foto: reuters/david mcnew/files

    Hanf für die Herstellung des Medikaments Sativex wächst unter anderem auf einer Plantage der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

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