Wenn aus kosmischen Dunkelwolken strahlende Sonnen werden

7. September 2014, 23:47
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Die düstere Materiewolke Lupus 4 in 400 Lichtjahren Entfernung ist die Geburtsstätte neuer Sterne

Garching - Auf dem ersten Blick mögen Materiewolken im All düster wirken. Doch der Eindruck undurchdringlicher Finstnis täuscht - tatsächlich sind solche Molekülwolken jene Orte an denen die Sterne geboren werden. Als typisches Beispiel dafür gilt Lupus 4, eine großfläche Ansammlung von Gas und Staub, die mit dunklen Tentakel um sich zu greifen scheint. Der Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La-Silla-Observatorium der ESO in Chile hat kürzlich dieses aktuelle Bild von dem Objekt eingefangen:

foto: eso
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Lupus 4 befindet sich rund 400 Lichtjahre von der Erde entfernt und deckt die Sternbilder Lupus (der Wolf) und Norma (das Winkelmaß) ab. Die Wolke ist eine von mehreren zusammenhängenden Dunkelwolken, die sich in einem lockeren Sternhaufen befinden, der Scorpius-Centaurus-OB-Assoziation genannt wird. Eine sogenannte OB-Assoziation ist eine vergleichsweise junge, aber dennoch weit zerstreute Gruppe von Sternen, wobei sich das "OB" sich auf die heißen, hellen, kurzlebigen Sterne der Spektralklassen O und B bezieht, die in dem weitestgehend aufgelösten Sternhaufen immer noch hell leuchten, während er durch die Milchstraße reist.

Orte, wo Sterne gemeinsam heranwachsen

Wahrscheinlich hatten die Sterne einen gemeinsamen Ursprung in einer riesigen Materiewolke. Da diese OB-Assoziation und die Lupus-Wolken die am nächsten zur Sonne gelegenen Gruppierungen ihrer Art bilden, sind sie das Primärziel von Untersuchungen wie Sterne zusammen aufwachsen, bevor sie getrennte Wege gehen. Die Sonne, zusammen mit den meisten Sternen in unserer Galaxie, ist, so glaubt man, ebenfalls aus einem ähnlichen Umfeld gestartet.

Dem amerikanischen Astronom Edward Emerson Bernard wird die erste Beschreibung der Lupus-Dunkelwolken in der astronomischen Literatur im Jahr 1927 zugeschrieben. Lupus 3, die Nachbarin von Lupus 4, wurde dank mindestens 40 neugeborener Sterne, die in den letzten drei Millionen Jahren dort entstanden sind und kurz davor sind ihre Fusionsöfen zu entzünden, am besten untersucht. Die Hauptenergiequelle dieser jungen Sterne, die man als T-Tauri-Sterne bezeichnet, ist die Wärme, die durch ihre gravitative Kontraktion entsteht. Dies steht im Gegensatz zu der Fusion von Wasserstoff und anderen Elementen, die erwachsene Sterne wie die Sonne anfeuert.

Vielsprechender Materiekern

Beobachtungen der kalten Dunkelheit von Lupus 4 haben nur einige wenige T-Tauri-Sterne nachgewiesen. Jedoch befindet sich ein hinsichtlich der Sternentstehung vielsprechender dichter und sternloser Materiekern in der Wolke. In einigen Millionen Jahren sollte sich dieser Klumpen zu einem T-Tauri-Stern entwickeln. Der Vergleich von Lupus 3 und Lupus 4 deutet darauf hin, dass ersterer älter ist, da sein Materieinhalt mehr Zeit hatte sich zu Sternen zu entwickeln.

Wie viele Sterne werden wohl am Ende in Lupus 4 aufleuchten? Das ist schwer zu sagen, da die Massenschätzungen von Lupus 4 variieren. Zwei Studien einigen sich auf eine Zahl von etwa 250 Sonnenmassen, eine andere Studie jedoch, die eine andere Methode zur Massenbestimmung nutzt, landet bei einer Zahl von rund 1600 Sonnenmassen. So oder so enthält die Wolke genügend Material, um viele helle neue Sterne hervorzubringen. Ähnlich wie Wolken auf der Erde dem Sonnenschein weichen, so wird sich auch diese kosmische dunkle Wolke letzten Endes auflösen und dem hellen Sternenlicht Platz machen. (red, derStandard.at, 07.09.2014)

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