Enthauptung von Steven Sotloff: Das ganze Grauen

Kommentar3. September 2014, 19:30
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Die Mörder stellen eine direkte Beziehung zwischen ihren Taten und westlicher Politik her

Mit der Ermordung - der Enthauptung - des zweiten amerikanischen Journalisten durch den "Islamischen Staat" (IS) rückt das Grauen wieder ganz nah an die westliche Öffentlichkeit heran. Eine Nachricht vermittelt dann ein individuelles Schicksal, wenn man sich das Opfer, seine Familie und seine Freunde zumindest vorstellen kann. Noch dazu stellen die Mörder direkt eine Beziehung zwischen ihren Taten und westlicher Politik her.

Aber es ist nützlich, das Verbrechen an Steven Sotloff in die derzeitige Realität in der Region eingebettet zu sehen: "Tausende betrauern enthaupteten Soldaten", lautete etwa ein Titel im Beiruter "Daily Star" am Mittwoch. Jihadisten haben einen der bei der Schlacht um Arsaal gefangen genommenen libanesischen Soldaten auf diese Art umgebracht: 23 weitere sind in ihrer Gewalt. Auf dem ägyptischen Sinai werden fast täglich geköpfte Leichen gefunden - zu manchen Taten gibt es auch das Video. Bilder gibt es ebenfalls von den abgehackten Köpfen syrischer Soldaten auf der Militärbasis al-Tabqa bei Raqqa. Und im August wurden auch etliche jemenitische Soldaten enthauptet. Nicht immer heißt die Organisation "Islamischer Staat", aber überall geht es um den gleichen Krieg.

US-Präsident Barack Obama hat zugegeben, dass er die Strategie gegen die IS noch nicht klar sieht: gerade weil er die ganze Komplexität des Schlachtfelds begreift. Und der neuerliche Tod eines Amerikaners ändert gar nichts daran. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 4.9.2014)

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