Die Häme und das Biest

Kopf des Tages3. September 2014, 19:22
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Der Gründer des Fahrtendienstes Uber, Travis Kalanick, pfeift auf die Konkurrenz - schrill und mit allen Mitteln

Da hat einer alles, was jemanden nur unsympathisch machen kann, und zelebriert es auch noch: Travis Kalanick tritt dogmatisch auf, kämpft mit aggressiven Methoden, schert sich nicht um die Konkurrenz, biedert sich bei bestehenden Unternehmen an und hat zu allem Überfluss noch Hardcore-Geldgeber wie Goldman Sachs oder Google hinter sich.

Seit der Gründung des Fahrdienst-Anbieters Uber im Jahr 2009 haben Investoren nicht nur zwei Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt, sondern Kalanick und seinen Kompagnon Garrett Camp damit mit gehörigen Vorschusslorbeeren bedacht. Kalanick ist ein Ehrgeizling, seit er ein Dreikäsehoch ist. So soll er bereits als Kind von Tür zu Tür gezogen sein, um diversen Hausrat wie Messersets an den Mann zu bringen.

Das Studium der Informatik an der UCLA bricht er ab, um die Musiktauschbörse Scour aufzuziehen. Doch sein Napster-Klon muss im Jahr 2000 kapitulieren und Insolvenz anmelden. Mehr als 30 Medienkonzerne hatten ihn auf 250 Milliarden Dollar verklagt. Doch Kalanick ist keiner, der lange am Boden liegt. Er gründet die Filesharing-Firma Red Swosh und verkauft sie 2007 um 19 Millionen Dollar.

Auch heute ist Aufgeben keine Option für den 37-Jährigen: Kampfansage folgt auf Kampfansage.

Die Legende sagt, dass ihm die Idee zur Gründung einer Taxi-Alternative im Niedrigpreissegment just dann gekommen sei, als er in Paris mangels fahrbaren Untersatzes hängenblieb. Und weil Legenden so schön sind, bleibt auch die der "Arschlöcher", wie er seine Konkurrenz nicht nur einmal nannte, im Bewusstsein.

Heute poppt Uber in weltweit 70 Städten per Handy-App auf, lässt Privatpersonen durch Privatpersonen befördern, bietet ein Limousinenservice an, testet in den USA einen Zustelldienst und fährt nebenbei die alteingesessene Konkurrenz sprichwörtlich gegen die Wand. Ideen sind für Uber dazu da, um abgekupfert zu werden. In den USA liefert sich Uber ein filmreifes Match mit dem Rivalen Lyft, übernimmt Geschäftsmodelle und wirbt mit unlauteren Methoden Fahrer ab. In Deutschland wurde der Fahrdienst jüngst verboten, doch selbst die angedrohte Strafe in der Höhe von 260.000 Euro schreckt Uber nicht. Fragt sich, was einen Taxischreck überhaupt ängstigen kann, sieht er sich doch selbst als "König des Silicon Valley". Die Legende lebt, erst recht, wenn man über andere drüberfährt. (Sigrid Schamall, DER STANDARD; 4.9.2014)

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