Trierweiler präsentiert Élysée-Palast als "House of Cards" 

4. September 2014, 05:36
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Valérie Trierweiler schlägt zurück: Sieben Monate nach ihrem Rauswurf aus dem Élysée rechnet Frankreichs ehemalige First Lady in einem Buch schonungslos mit dem französischen Präsidenten François Hollande ab

"Danke für diese Zeit" erscheint am Donnerstag mit einer Bestsellerauflage von 200.000 Stück. Die französischen Medien sprechen von einer "Bombe". Die ehemalige First Lady Valérie Trierweiler beschreibt in dem Buch ihre neun Jahre an der Seite von François Hollande - bis zu jenem 25. Jänner dieses Jahres, als ihr der Staatspräsident den Laufpass gab.

Fürs Erste hat der Verlag Les Arènes nur ein paar Auszüge des 320-Seiten-Werkes freigegeben. Sie lassen nur erahnen, mit welchem Herzblut die 49-jährige Journalistin ihre Erinnerungen zu Papier brachte - und wie hart ihr Leben im Machtzentrum der französischen Republik war.

So etwa, als sie aus der Klatschpresse von der Affäre ihres Lebenspartners mit der jüngeren Schauspielerin Julie Gayet erfuhr. "Ich breche zusammen", beschreibt Trierweiler. "Ich kann das nicht ertragen, ich stürze ins Badezimmer, packe einen kleinen Beutel mit Schlaftabletten. François ist mir gefolgt. Er versucht, mit den Sack zu entreißen. Ich laufe ins Schlafzimmer. Er packt den Sack, der zerreißt. Die Pillen sind auf dem Bett und dem Boden verstreut. Mir gelingt es, einige zu packen. Ich schlucke, was ich kann, Ich will schlafen, ich will die folgenden Stunden nicht erleben."

Die Première Dame von Mai 2012 bis Anfang 2014 verschont weder sich noch ihren Ex-Partner. Sie beschreibt neben ihrem Zusammenbruch auch die öffentliche Erniedrigung, als er per Kommuniqué die Trennung bekanntgibt. Danach überhäuft er sie mit SMS - bis zu 29 am Tag.

Schonungslose Offenheit

"Er sagt mir, er brauche mich. Er bittet mich jeden Abend, mit ihm zu essen. Er schreibt mir, ich sei sein ganzes Leben. Glaubt er, was er schreibt? Oder bin ich die letzte Laune eines Mannes, der nicht zu verlieren erträgt? Er sagt mir, er werde mich wiedererobern, als wäre ich eine Wahl."

Vor Trierweiler hatten schon andere First Ladys wie Carla Bruni Interna aus dem Élysée ausgeplaudert. Nie riss eine Partnerin des französischen Staatschefs aber den Vorhang so schonungs- und rücksichtslos zur Seite wie Trierweiler. Sie beleuchtet auch Hollandes Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten und die berechnende Reaktion auf die Sexaffäre seines Rivalen Dominique Strauss-Kahn.

Das Bild, das Trierweiler vom aktuellen Staatschef zeichnet, ist so ganz anders als alles, was man von seiner Person vermutete. Der 60-jährige Sozialist gilt zwar als Zauderer und Unglücksvogel, dem es bei seinen Medienauftritten nicht nur politisch in den Kragen regnet. Aber persönlich genießt er Sympathien als lockerer und humorvoller Gastgeber.

Trierweiler beschreibt ihre bessere Hälfte hingegen als "kalt, herzlos, von den Ereignissen völlig überfordert, kalkulierend und manchmal bösartig". Einzelne der zynischen Dialoge könnten dem Drehbuch der US-Serie "House of Cards" entstammen.

No French Charme

"Brauchst du noch lange, um dich schön zu machen?", fragt der Präsident Trierweiler vor einem Staatsdiner im Élysée. Und als sie bejaht: "Man verlangt ja von dir nichts anderes."

So perfekt die Geheimhaltung und das Timing der Publikation in Paris waren, so katastrophal ist die politische Wirkung für den Staatspräsidenten. Nach einem harten Sommer voller Negativschlagzeilen glaubte François Hollande, mit seiner Regierungsumbildung vor einer Woche eine Wende herbeigeführt zu haben.

Endlich sollte es bergauf gehen für den lädierten Präsidenten. Doch bei seiner nächsten, bereits anberaumten Pressekonferenz wird er sich erneut Fragen zu seinem Privatleben stellen müssen. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 4.9.2014)

  • Valérie Trierweiler, ehemalige First Lady an der Seite des französischen  Staatspräsidenten François Hollande, blickt in ihrem Buch zurück - und rechnet  ab.
    foto: reuters/siddiqui

    Valérie Trierweiler, ehemalige First Lady an der Seite des französischen Staatspräsidenten François Hollande, blickt in ihrem Buch zurück - und rechnet ab.

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