Kalter Krieg der Begehrlichkeiten

3. September 2014, 17:09
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Ödön von Horváths "Zur schönen Aussicht" von Theater.Punkt im Schauspielhaus

Wien - Das Dreisternhotel "Zur schönen Aussicht" aus Horváths gleichnamiger Komödie ist heruntergespart auf die letzten Vorräte. Ein paar Einmachgläser und ein Wachhund (ausgestopft) sind übrig geblieben aus Zeiten, als die Dienstleistungsgesellschaft noch in Ordnung war. Draußen liegt eine ausgehungerte Verliererlandschaft irgendwo "am Rand eines mitteleuropäischen Dorfes".

Im Gastspiel des Theater.Punkt (Regie: Sabine Mitterecker) stolpern die Horváth-Geschöpfe über ihre verlogenen Leben genauso wie über die kaputten Möbel des sich breit über die Schauspielhausbühne erstreckenden Hotelfoyers. Der einzige Gast hier, Freifrau von Stetten (Elfriede Schüsseleder), interessiert sich vorwiegend für die Restposten des Hotelbetriebes: die menschliche Nähe der verbliebenen Angestellten.

Von diesen sozial-emotionalen und finanziell-existenziellen Abhängigkeiten bekommt man in der in Koproduktion mit dem Kasemattentheater Luxemburg entstandenen Inszenierung nur geringfügig etwas mit. In einem kalten Krieg der Begehrlichkeiten verklumpen die Figuren ohne glaubwürdige Beziehungen zueinander zu wirren Behauptungen.

Die Szenen zerfallen in isolierte, gekünstelte Spielmanöver. Das bündelt sich auch nicht mehr, wenn die Herren Kellner (Germain Wagner), Chauffeur (Jon Kiriac), Emanuel (Helmut Berger) und Hoteldirektor Strasser (Heinz Weixelbraun) gemeinsam über Christine (Sophie Hutter) herfallen, die mit Kind und Geld (was zunächst keiner weiß) nach einem Jahr wieder auftaucht. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 4.9.2014)

Bis 9.9. Am 16. und 17.12. in Luxemburg

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