"Spanien Neu" beginnt in Frankreich

3. September 2014, 16:10
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Bei WM gebeutelte Supermacht stellt sich bei Test in Paris neu auf und hat "keine Angst vor der Zukunft"

Paris - Spaniens Nationalteam nimmt seinen Neuaufbau unter bewährter Führung in Angriff. Trotz der desolaten Vorstellung der Iberer bei der WM in Brasilien wurde Trainer Vicente del Bosque im Amt bestätigt. Ohne die zurückgetretenen Strategen Xavi und Xabi Alonso sowie die verletzten Andres Iniesta und Javi Martinez steht für die "Roja" gegen Frankreich am Donnerstagabend in Paris nun der erste Test an.

Im Stade de France soll es an der Qualität der aufrückenden Spieler nicht scheitern. Koke und Raul Garcia von Atletico Madrid, Reals Isco oder Ander Iturraspe von Athletic Bilbao gelten im Mittelfeld als Akteure mit hohem Potenzial. Sie sollen Spaniens in sechs Jahren mit zwei EM- und einem WM-Titel gekrönte Fußballkunst wieder aufleben lassen.

Identität und Frischzellenkur mit Qualität

Am Spielsystem, dem typischen Kurzpassspiel samt großem Ballbesitz, wird sich nichts ändern. "Das Nationalteam hatte immer seine Identität und wir sollten nicht daran denken, diese zu ändern, wenn einige Spieler zurücktreten", meinte Sergio Ramos. "Wir sollten nicht vergessen, dass wir auch eine extrem talentierte neue Generation haben", betonte der Real-Verteidiger.

Tatsächlich hat Spaniens Nachwuchs in den vergangenen Jahren praktisch immer um die Titel in den Nachwuchturnieren mitgespielt. Man eroberte immerhin die beiden jüngsten U21-EM-Titel (2011, 2013), wurde 2011 und 2012 U19-Europameister und stand auch bei den vergangenen beiden U20-Weltmeisterschaften jeweils unter den besten acht Mannschaften. Ähnlich optimistisch wie Ramos klang daher auch Teamchef Del Bosque. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft", verlautbarte der 63-Jährige.

Er könnte insgesamt sechs Spielern zum Debüt in der Nationalelf verhelfen. Für Spanien ist es auch ein Aufwärmen für den Start in die EM-Qualifikation. Zum Auftakt trifft der regierende Europameister am Montag in Valencia auf Mazedonien.

Frankreich ist Testmodus

Frankreich wurde nach der WM im Gegensatz zu dem bereits in der Gruppenphase gescheiterten Gegner in der Heimat mit Wohlwollen empfangen. Die Leistungen bis zum Viertelfinal-Aus gegen den späteren Weltmeister Deutschland (0:1) versöhnten die oft überkritischen Fans. Für den EM-Gastgeber von 2016 ist das Spanien-Spiel durchaus wichtiger als für die Gäste. "Les Bleus" bleiben bis zum Heimturnier nur Freundschaftsspiele, um für den Ernstfall zu testen.

Dass Spanien ein Gradmesser bleibt, war den Franzosen bewusst. "Auch wenn sie im Umbau sind, sind sie weiter eine große Nation", stellte Antoine Griezmann klar. Der seit Sommer bei Atletico Madrid spielende Flügelspieler erwartete den Nachbarn in gewohnter Verfassung. "Jene, die die alten Spieler ersetzen, werden genauso agieren."

Verjüngung bereits umgesetzt

Teamchef Didier Deschamps vertraut im ersten Auftritt nach der WM jedenfalls auf Bewährtes. Bis auf den verletzten Stürmer Olivier Giroud und den zurückgetretenen Torhüter Mickael Landreau stehen jene Spieler im Kader, die schon nach Brasilien reisten. Deschamps sah dies als Belohnung. "Die Spieler, die bei der WM dabei waren, verdienen das", erklärte der Weltmeister von 1998. Er setzt auf die Jugend, neun Akteure im Aufgebot sind unter 25 Jahre alt. Franck Ribery ist aus eigenen Stücken aus dem Team zurückgetreten, der Trainer lässt die Tür für ihn offen. (red/APA, 3.9.2014)

  • Ramos, Mata und Fabregas waren alle schon bei der WM, gehören aber nicht zum alten Eisen und sollen auch Spaniens Zukunft verkörpern.
    foto: apa

    Ramos, Mata und Fabregas waren alle schon bei der WM, gehören aber nicht zum alten Eisen und sollen auch Spaniens Zukunft verkörpern.

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