WM-Finalrevanche für Rio in Düsseldorf

3. September 2014, 15:56
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Deutschland empfängt Argentinien - Südamerikaner ohne Messi gegen den Weltmeister - England-Fans in Depression - Ärger um russischen Verband

Düsseldorf - Nur 52 Tage nach dem Triumph Deutschlands in Rio de Janeiro erlebt das WM-Finale eine Neuauflage. Vizeweltmeister Argentinien gastiert beim ersten Auftritt unter dem neuen Trainer Gerardo Martino am Mittwoch (20.45 Uhr/live ZDF) in Düsseldorf. Von einer Revanche für die 0:1-Niederlage n.V. im Maracana wollen die Südamerikaner jedoch nichts wissen. Mit Lionel Messi fehlt außerdem ihr Aushängeschild.

Für den erstmals im neuen Vier-Sterne-Trikot einlaufenden Weltmeister Deutschland ist die Partie die erste große Zusammenkunft nach dem Titelgewinn. Schon das erste Training der Triumphatoren von Brasilien wurde am Montagabend zum umjubelten Schaulaufen. Final-Torschütze Mario Götze und seine Teamkollegen durften vor 45.000 meist jungen Fans die WM-Euphorie noch einmal genießen - Bundestrainer Joachim Löw aber plagten schon wieder Alltagssorgen.

Mit Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker haben gleich drei Spieler aus dem "Hunderter-Club" ihre Länderspiel-Laufbahn beendet. Die Hierarchie muss sich völlig neu herausbilden. "Es ist ein bisschen schwierig", erklärte Torhüter Manuel Neuer und verwies auf die "besondere Konstellation" beim Wiedersehen mit Argentinien. Im seit 18 Spielen ungeschlagenen deutschen Team beschäftigte man sich im Vorfeld dennoch mehr mit Fragen zum neuen Spielführer sowie verletzten Akteuren.

Prominente Abwesende

Neben dem neuen Teamkapitän Bastian Schweinsteiger - er wird Mittwoch von Neuer vertreten - fallen auch Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil aus. Der Arsenal-Profi ließ seine Knöchelverletzung in London behandeln. Für den Auftakt der neuen EM-Qualifikation gegen Schottland in Dortmund am Sonntag soll Özil wenn möglich fit werden. Nachnominiert wurde Mittelfeldmann Sebastian Rudy von 1899 Hoffenheim.

Gegen die Schotten soll der Blick trotz aller Euphorie zwangsläufig nach vorne gehen, die Entwicklung Richtung EM 2016 in Frankreich und WM 2018 in Russland weiter vorangetrieben werden. "Das nächste große Ziel nach dem großen Finale von Rio soll und muss heißen: EM-Finale in Paris", betonte Löw. Teammanager Oliver Bierhoff war diesbezüglich optimistisch: "Alle sind heiß und wollen Erfolge."

Im Lager der Argentinier herrschte vor dem Spiel aus anderen Gründen ein wenig Trubel. Kapitän Messi fehlt aufgrund einer Adduktorenverletzung. Gerüchte, wonach der Superstar des FC Barcelona der "Albiceleste" vorerst nicht zur Verfügung stehen werde, ärgerten seinen Vater Jorge. Der deklarierte die Spekulationen als Erfindungen der Presse.

Di Maria: "Nicht mehr als ein Freundschaftsspiel"

Messi ist nicht der einzige aus dem WM-Kader, der in Düsseldorf nicht mit dabei ist. Ezequiel Garay, Maxi Rodriguez und Rodrigo Palacio stehen wegen Verletzungen ebenfalls nicht zur Verfügung. Überbewerten wollen die Argentinier die Partie ohnehin nicht. "Es ist nicht mehr als ein Freundschaftsspiel", sagte Angel di Maria. Der nun bei Manchester United spielende Mittelfeldspieler hatte im Finale verletzungsbedingt nicht spielen können.

Einigermaßen aufgeladen sein dürfte der Mann an der Seitenlinie. Gerardo Martino übernahm beim zweifachen Weltmeister nach der WM das Traineramt von Alejandro Sabella. Der 51-Jährige reiste erst Dienstag an, nachdem er Montagabend noch beim interreligiösen "Spiel für den Frieden" im Olympiastadion von Rom gecoacht hatte. Im Gegensatz zu Deutschland steht für Messi und Co. im kommenden Jahr mit der Copa America in Chile die nächste echte Bewährungsprobe auf dem Programm.

Schlechte Stimmung in England

Neben dem Weltmeister-Duell stehen am Mittwoch weitere Länderspiele an. Englands Verband erwartet gegen Norwegen nach dem eher bescheidenen Auftritt in Brasilien eine Minuskulisse in der 2007 neu eröffneten Wembley-Arena. Da nur zwischen 35.000 und 40.000 Fans kommen sollen, wurde der oberste Rang erst gar nicht geöffnet. "Die Stimmung im Land ist schlecht. Das wird den Burschen nicht gerade helfen", meinte Teamchef Roy Hodgson. Zum ersten Mal wird Wayne Rooney die englische Auswahl als Kapitän anführen.

Von Österreichs EM-Qualifikationsgegnern sind Russland und Moldawien am Mittwoch im Einsatz. Bei den Russen rumorte es vor dem Aufeinandertreffen mit Aserbaidschan in Chimki bei Moskau hinter den Kulissen. Sportminister Witali Mutko bekrittelte am Wochenende, dass Teamchef Fabio Capello bereits drei Monate kein Gehalt erhalten habe. Der russische Verband gelobte daraufhin, die Schulden beim Italiener "ehestmöglich" zu begleichen. Capello war nach Russlands vorzeitigem WM-Aus in Brasilien ob seines lukrativen Vertrags von kolportieren elf Mio. Dollar pro Jahr in die Kritik geraten. Moldawien trifft in Kiew auf die Ukraine. (APA/Reuters, 3.9.2014)

  • Mario Gomez (re) und Co bringen sich für den Kracher gegen Argentinien in Schuss.
    foto: reuters/ina fassbender

    Mario Gomez (re) und Co bringen sich für den Kracher gegen Argentinien in Schuss.

  • Heikle erste Aufgabe für Argentiniens neuen Coach Gerardo Martino.
    foto: ap/ frank augstein

    Heikle erste Aufgabe für Argentiniens neuen Coach Gerardo Martino.

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