Inselurlaub in der Themse

8. September 2014, 16:53
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Wozu ein gigantisches künstliches Eiland in der Themse errichten, wenn es auf dem Fluss über 200 natürliche Ziele für den Inselkurztrip gibt.

Vergangene Woche kam das endgültige Aus für ein Projekt, das ohnehin immer ein wenig nach Science Fiction geklungen hat: Den Bau eines neuen Londoner Flughafens mitten in der Themsemündung. Die Baukosten von bis zu 144 Milliarden Euro und die Errichtung einer gigantischen künstlichen Insel wurden letztlich als unrealistisch eingestuft. Grund genug, sich einige der insgesamt über 200 natürlichen Inseln in der Themse genauer anzusehen.

Auf Temple Island, westlich von London gelegen, befindet sich wie der Name schon sagt ein kleiner Tempel, der 1771 vom Architekten James Wyatt erbaut wurde. Bekannt ist die Insel heute als Startpunkt für die jährlich stattfindende Henley Royal Regatta.
Noch innerhalb der Stadtgrenzen südwestlich vom Zentrum Londons befindet sich Tagg's Island. Das hier liegende Hausboot bewohnt der Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour. Die Insel bot ursprünglich Platz für ein Hotel, das, bis es 1971 abgerissen wurde, bei der wohlhabenden Londoner Gesellschaft beliebt war.
Das Boot steuert auf Pharaoh's Island zu. Den Namen hat sie dem britischen Admiral Horatio Nelson zu verdanken, der 1798 Napoleons Einmarsch nach Ägypten verhinderte und unter anderem diese Insel als Belohnung bekam. Sie liegt in der Grafschaft Surrey, und noch heute stehen dort einige Dutzend Häuser, die ägyptische Namen tragen.
Glover's Island im Westen Londons ist nach seinem Besitzer Joseph Glover benannt, der die Insel 1898 an einen Seifenproduzenten verkaufte. Dieser benutzte sie dann hauptsächlich, um dort einen riesigen Werbebanner für seine Produkte aufzustellen.
Oliver's Island kam zu seinem Namen durch einen Mythos, der besagt, dass Oliver Cromwell hier Zuflucht suchte. Angeblich soll es einen geheimen Tunnel gegeben haben, der die Insel mit dem Festland verband. Oliver's Island befindet sich unweit vom Zentrum Londons und ist heute mit der U-Bahn erreichbar.
In den 1960er-Jahren entwickelte sich das Eel Pie Island Hotel überarschend zu einem beliebten Ziel für Musiker. Rod Stewart, David Bowie, Pink Floyd und die Rolling Stones sollen hier übernachtet haben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Insel zu einer Art Hippie-Kommune mit heute 120 Einwohnern. Im Südwesten von London gelegen kann die Insel heute per Boot oder über eine Fußgängerbrücke erreicht werden.
Chiswick Eyot ist bei Ebbe zu Fuß erreichbar, während bei Flut nur noch die Baumkronen aus dem Wasser hervorschauen. Bekannt wurde die im Londoner Stadtteil Chiswick gelegene Insel 2010, als ein Pensionist behauptete, hier seit sechs Monaten wie Robinson Crusoe zu leben und nachts auf einer Hängematte zu schlafen um der Flut auszuweichen.
Die heute unbewohnte Insel Brentford Ait im Westen von London war im 19. Jahrhundert bekannt für das verruchte Three Swans Pub.
D'Oyly Carte Island wurde nach dem gleichnamigen Hotelier und Musiker D'Oyly Carte benannt, der sich hier ein Haus baute. Berühmte Gäste waren der Komponist Arthur Seymour Sullivan und der Schriftsteller William Schwenck Gilbert. Die Insel liegt nahe der Kleinstadt Weybridge. (Britta Breuers, derStandard.at, 08.09.2014)
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