Luchs im Lesachtal vermutlich gewildert

3. September 2014, 14:35
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Jahrelanges und kostenintensives Artenschutzprojekt wäre damit vernichtet

Lesachtal – Der im März in Italien ausgewilderte Luchs “Alus“ ist im Kärntner Lesachtal verschollen. Nachdem das Funkhalsband des Tieres am 8. August das “Mortality“-Signal gesendet hatte, wurde es nun in 1,80 Meter Höhe an einem Baum aufgehängt gefunden.

Der WWF Österreich, der das Projekt “Progetto Lince Italia“ unterstützt, reagierte entsetzt: “Es ist unfassbar, dass ein Einzeltäter die jahrelange und kostenintensive Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Wissenschaft, Jagd und Grundbesitzern auf einen Schlag zunichtemacht“, sagte Christian Pichler, vom WWF-Luchsprojekt. Sollte der Täter aus den Reihen der Kärntner Jägerschaft kommen, fordert der WWF eine Kompensation die Auswilderung eines neuen Luchses in Kärnten.

Erst im April umgesiedelt

Der Luchs “Alus“ und das Weibchen “Jura“ waren erst im vergangenen April aus der Schweiz umgesiedelt worden. Im Rahmen von „Progetto Lince Italia“ des italienischen Wildbiologen Paolo Molinari sollten “Alus” und “Jura” gemeinsam mit ein bis zwei ansässigen Luchsen einen kleinen Luchsbestand im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien aufbauen.

Molinari meint nun, dass der Luchs das Halsband theoretisch auch abgestreift haben könnte und so das “Mortality”-Signal ausgelöst worden sei. Ein Schwammerlsucher hätte das Halsband gefunden haben können – und einen Kilometer weiter auf dem Baum aufgehängt haben.

Senderhalsband gefunden

Bernhard Gutleb – in der Kärntner Landesregierung für Naturschutz zuständig – ist hingegen überzeugt davon, dass der Luchs Opfer eines Wilderers geworden ist. "Man braucht schon viel Fantasie, um nicht zu glauben, dass er gewildert wurde." Das Senderhalsband falle normal erst nach zwei bis drei Jahren ab, in diesem Fall passierte es schon nach vier Monaten. Auch die Distanz zwischen dem mutmaßlichen Todesort des Luchses und Fundstelle des Halsbandes deutet für Gutleb auf einen Wilderer hin. (APA, frei, derStandard.at, 3.9.3014)

  • Der Luchsbestand soll im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien wieder aufgebaut werden.
    foto: reuters/victor fraile

    Der Luchsbestand soll im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien wieder aufgebaut werden.

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