Kiew will Mauer an Grenze zu Russland bauen

3. September 2014, 15:39
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Premier Jazenjuk: "Wir wollen einen echten Schutz"

Kiew - Die ukrainische Regierung plant entlang der rund 2.000 Kilometer langen Staatsgrenze zu Russland den Bau einer Mauer. "Wir wollen einen echten Schutz", sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Mittwoch in Kiew. Denkbar sei auch ein Elektrozaun mit Minen und Stacheldraht.

Das Projekt soll etwa 100 Millionen Euro kosten. In ihrem Kampf gegen prorussische Separatisten hat die Regierung in Kiew derzeit die Kontrolle über einen Teil der Grenze in der Ostukraine verloren. Die prowestliche Führung wirft Moskau vor, hier Nachschub für die Aufständischen einzuschleusen.

Vor dem Hintergrund des Konflikts sprach sich Jazenjuk auch dafür aus, Russland in der Militärdoktrin der Ukraine als Aggressor zu bezeichnen. "Es ist das einzige Land, das unsere territoriale Einheit bedroht", meinte er. Die Ukraine erwarte vom NATO-Gipfel in Wales diese Woche deutlichen Beistand. "Unser Ziel ist ein Sonderstatus in den Beziehungen zur NATO", sagte Jazenjuk.

Kiew will Krim Strom abdrehen

Der staatliche ukrainische Stromkonzern Ukrinterenergo kündigte am Mittwoch an, die Energieversorgung der von Russland annektierten Halbinsel Krim einschränken zu wollen. Das erfolge aufgrund einer Versorgungsknappheit auf dem ukrainischen Festland. Sollte sich die Krim nicht an die Quoten halten, droht Ukrinterenergo mit einem völligen Lieferstopp.

Die Krim hängt trotz der russischen Annexion weiterhin zu 80 Prozent von ukrainischem Strom ab. "Sollten die Obergrenzen von den Verbrauchern auf der Krim nicht eingehalten werden, sieht sich das Unternehmen gezwungen, die Versorgung der Halbinsel völlig einzustellen", heißt es in einem Statement des Energieversorgers.

Kohle-Import

Jazenjuk hat den Import von einer Million Tonnen Kohle aus Südafrika angekündigt. "Das erste Schiff wird gerade beladen", sagte er am Mittwoch in Kiew. Mit dem Brennstoff soll die Stromversorgung im Winter gewährleistet werden.

Das Energieministerium hatte die Versorger zuvor angewiesen, bereits Notfallpläne für zwei tägliche Stromabschaltungen von je zwei Stunden auszuarbeiten. Aufgrund der Kämpfe im Osten des Landes stehen viele Schächte in der Kohleregion still. Die Ukraine erzeugt knapp 50 Prozent der Energie in Wärmekraftwerken und 43 Prozent aus Atomkraft. (APA, 3.9.2014)

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