Binnen-I: Komitee wegen Verstoßes gegen Normungsarbeit aufgelöst

3. September 2014, 12:27
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Austrian-Standards-Institut: "Schwerwiegende Verstöße gegen Grundregeln der Normungsarbeit"

Wien - Die Binnen-I-Gegnerin Walburg Ernst verliert ihr Komitee "Büroorganisation und schriftliche Kommunikation". Wie das Normungsinstitut Austrian Standards am Mittwoch mitteilte, sei es in der Frage des geschlechtssensiblen Umgangs mit Sprache zu "schwerwiegenden Verstößen gegen Grundregeln der Normungsarbeit" gekommen. Das Präsidium habe daher einen einstimmigen Auflösungsbeschluss gefasst.

Auch "mangelnde Bereitschaft des Komitees zum Dialog und zur ernsthaften Auseinandersetzung mit den Meinungen anderer" wurde konstatiert. Das Komitee mit der Nummer 045 hatte einen in der Öffentlichkeit heiß diskutierten Entwurf einer Neuauflage der ÖNORM A 1080 "Richtlinien für die Textgestaltung" publiziert, in dem zu Generalklauseln anstelle weiblicher Formen geraten und vom Binnen-I abgeraten wurde.

Widerstand gegen vorgeschlagenen Passus

Im öffentlichen Stellungnahmeverfahren habe sich großer Widerstand gegen den neu vorgeschlagenen Passus gezeigt, erklärte Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha in einer Aussendung. "Da das Komitee jedoch nicht bereit war, mit jenen Personen in einen Dialog einzutreten, die andere Positionen vertreten, keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ansichten der Stellungnehmenden gewährleistet war und das Komitee keine Bereitschaft zeigte, neue Teilnehmende aufzunehmen, war das Präsidium gezwungen, diesen Schritt zu setzen."

Das Thema "geschlechtersensibler Umgang mit Sprache" an sich sei damit für Austrian Standards nicht vom Tisch. Wie schon im Juli angekündigt, soll es zu diesem Thema ein offenes Dialogforum geben, und zwar am 15. Oktober. Austrian Standards will dazu alle Personen einladen, die Stellungnahmen zum Entwurf der ÖNORM A 1080 abgegeben beziehungsweise Interesse an dem Thema bekundet haben - "selbstverständlich" auch die bisher am Komitee 045 Teilnehmenden. "Dabei soll sich zeigen, ob das Thema 'geschlechtersensibler Umgang mit Sprache' für eine Normung reif ist, das heißt, ob ein Versuch, zu diesem Thema eine möglichst allgemein akzeptierte Empfehlung zu formulieren, Erfolg haben kann", so Stampfl-Blaha.

Ernst, langjährige Chefredakteurin der Zeitschrift "Büro und Sekretariat", ist damit übrigens nicht gekündigt, denn als Komiteeleiterin war sie gar nicht angestellt, sagte ein Sprecher des Normungsinstituts. Weil das Komitee aber nicht mehr bestehe, sei Ernst einfach nicht mehr dessen Vorsitzende. (APA, 3.9.2014)

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