Millionenstrafe gegen Smartcard-Chipkartell

3. September 2014, 12:01
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Smartcard-Chips kommen bei Handys, Bankkarten und Pässen zum Einsatz, betroffen von der Strafe sind Infineon, Philips und Samsung

Brüssel/Neubiberg/Amsterdam - Die EU-Kommission hat gegen ein Kartell von Herstellern von Smartcard-Chips Strafen in Höhe von 138 Mio. Euro verhängt. Betroffen vom Kartell sind vier Unternehmen. Infineon aus Deutschland muss 82,8 Mio. Euro berappen, Philips aus den Niederlanden 20,1 Mio. und Samsung aus Südkorea 35,1 Mio. Euro. Renesas aus Japan wurde nach der Kronzeugenregelung die Strafe erlassen.

Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon ist auch in Österreich mit einem Werk und Forschungszentrum in Villach sowie an weiteren Standorten vertreten. In Villach sind 2.600 von insgesamt 3.100 hierzulande Beschäftigten tätig.

Infineon und Philips wollen die Strafe nicht akzeptieren. Sämtliche Vorwürfe der EU-Kommission seien unbegründet, teilten die beiden Konzerne am Mittwoch mit. Eine eigene Untersuchung habe ergeben, dass kein Mitarbeiter von Infineon sich unzulässig verhalten habe, heißt es etwa seitens Infineon. Glaubhafte Beweise, die diese Feststellung widerlegen, seien Infineon nicht vorgelegt worden. "Infineon wird die Entscheidung daher eingehend prüfen und bereitet sich darauf vor, Klage beim Gericht der EU zu erheben", erklärten die Bayern.

Zulasten der Endverbraucher

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hat indes erklärt, wenn sich Unternehmen für Absprachen entscheiden, "die sowohl zulasten ihrer Abnehmer als auch der Endverbraucher gehen, müssen sie mit Sanktionen rechnen". Im digitalen Zeitalter kommen Smartcard-Chips praktisch überall zum Einsatz - sei es in Handys, bei Bankkarten oder Pässen. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die produzierenden Unternehmen ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, wie sie durch Innovation und hochwertige Produkte zu attraktiven Preisen ihre Mitbewerber übertreffen.

Die am Kartell beteiligten Unternehmen unterhielten von 2003 bis 2005 ein Netz bilateraler Kontakte, um ihre Antworten auf Ansuchen der Kunden, die Preise zu senken, vorzubereiten. Sie erörterten sensible Geschäftsinformationen über Preisbildung, Kunden, Vertragsverhandlungen, Produktionskapazität oder Kapazitätsauslastung und ihr künftiges Marktverhalten und tauschten diese aus. (APA, 3.9.2014)

  • Scannen, damit auf dem Chip im Reisepass Fingerabdrücke gespeichert werden können.
    foto: ap/schreiber

    Scannen, damit auf dem Chip im Reisepass Fingerabdrücke gespeichert werden können.

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