Kemler hofft auf neuen Schwung für ÖIAG

3. September 2014, 11:05
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Gezielte Start-up-Förderung soll wissensbasierte Industrien verstärken und Standort absichern, wünscht sich der ÖIAG-Chef

Wien - Nach der Regierungsumbildung hofft ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, dass nun die angestrebte Neuausrichtung der Verstaatlichten-Holding in Schwung kommt. Ein eigens dafür ausgearbeitetes Konzept warte bereits in der Schublade. Im Fokus stehe die gezielte Förderung von Start-up-Unternehmen. "Leider wurde die Umsetzung nicht finalisiert", sagte Kemler zum "WirtschaftsBlatt" (Mittwochsausgabe).

Die Landschaft der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Österreich funktioniere sehr gut. "Mir geht es um eine verbesserte Wachstumsfinanzierung", betonte Kemler. Ziel sei eine verstärkte Entwicklung in Richtung wissensbasierter Industrien, um den Standort Österreich abzusichern. Es könnten Cluster in den Bereichen Infrastruktur, Telekommunikation oder Energie entstehen.

"Wir würden sozusagen als Inkubator rund um die Geschäftsfelder unserer drei großen Beteiligungen (OMV, Post und Telekom Austria, Anm.) agieren", so der ÖIAG-Chef. "Das wäre ein strategisch sinnvoller Ansatz."

Finnland als Vorbild

Wie das geht, habe Finnland nach dem Ausfall von Nokia als treibendes Vehikel für die Industrie des Landes gezeigt - dort sei investiert und eine Gruppe von mittlerweile 510 Unternehmen mit 40.000 Arbeitsplätzen geschaffen worden.

Doch: Es müsse sich insgesamt zuerst die Koalition einigen und dann müsse es Anpassungen im ÖIAG-Gesetz geben. "Ohne Parlament wird das nicht gehen."

Die Finanzierung dürfte nicht das Problem sein: "Wir könnten einen überschaubaren Teil der Dividenden (z.B. von OMV, Post und Telekom Austria, Anm.) nehmen und sie für ein solches Konzept verwenden", erklärte Kemler.

25 Millionen pro Jahr

"Wenn man so einen Fonds mit 100 Mio. Euro dotiert - was aber nicht in einem Schritt passieren muss - könnte dies durchaus viel bewegen." Über einige Jahre 20 bis 25 Mio. Euro pro Jahr abzuzweigen, würde schon reichen. Die ÖIAG habe heuer beispielsweise 152 Mio. Euro für die drei Top-Unternehmen an das Finanzministerium abgeführt. Zudem gebe es viele Private - Unternehmen, andere Holdings, Einzelinvestoren -, die sich engagieren wollten, wenn die ÖIAG hier etwas auf die Beine stellte.

Es gehe dabei aber nicht nur um Geld, sondern auch um "Mentorship" und Zusammenarbeit mit diesen Konzernen. Für die angedachte Förderung infrage kämen dem ÖIAG-Konzept zufolge aufstrebende, kleine Unternehmen, die bereits Märkte und erste Kunden gewonnen hätten. (APA, 3.9.2014)

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