Zalandos Börsengang steht vor der Tür

3. September 2014, 17:01
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Lange war spekuliert worden, nun dürfte es noch im Herbst so weit sein: Zalando wagt den Gang aufs Parkett

Wien - In TV-Spots schreien Frauen vor Glück. Ob Anleger ebenfalls vor Freude jubeln werden, wird sich zeigen. Denn der weltgrößte Mode-Versandhändler will noch dieses Jahr an die Börse in Frankfurt gehen. Der Sprung aufs Parkett soll über eine Kapitalerhöhung erfolgen. Das Emissionsvolumen könnte bei 750 Millionen Euro liegen, bis zu elf Prozent des Kapitals wären dann an der Börse platziert.

Mit dem Schritt will Zalando auch neue Investoren für eine weitere Expansion gewinnen. Gelingt der IPO, wäre dies einer der größten deutschen Börsengänge eines Internetunternehmens seit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Laut Experten könnte mit dem Börsengang eine Gesamtbewertung von bis zu fünf Milliarden Euro angestrebt werden. Nach Informationen eines Insiders soll der Ausgabepreis in der Woche ab dem 29. September bekanntgegeben werden. Bleiben die Märkte stabil, könnte die Aktie bereits im Oktober gehandelt werden.

Die Internet-Investoren Mark, Oliver und Alexander Samwer, mit deren Geld Zalando groß geworden ist, sind mit 17 Prozent der zweitgrößte Anteilseigner hinter dem schwedischen Finanzinvestor Kinnevik, der 36,5 Prozent hält. Weitere Miteigentümer sind Tengelmann (etwas über fünf Prozent), der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen (zehn Prozent) sowie Holtzbrinck Ventures und der kanadische Pensionsfonds OTPP.

Das 2008 in Berlin gegründete Start-up erzielte im ersten Halbjahr 2014 erstmals einen operativen Gewinn. Bei einem Umsatz von einer Milliarde Euro, lag dieser bei zwölf Millionen.

Hohes Risiko, langer Atem

Die hohe Bewertung von Internetunternehmen birgt nicht nur ein hohes Risiko, wie die Vergangenheit gezeigt hat, es verlangt den Anlegern auch einen langen Atem ab. So mussten Facebook-Aktionäre 14 Monate lang auf positive Nachrichten warten, die Aktie des Nachrichtendienstes Twitter brach nach einem Allzeithoch kurz nach dem Börsengang bereits fünf Monate später nach enttäuschenden Quartalszahlen auf einen Tiefststand ein.

Zalando ist derzeit in 15 europäischen Ländern tätig, hat 13,7 Millionen Kunden und beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter. Zuletzt war der Online-Händler wegen schlechter Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten.

Derweil bahnt sich in New York für nächste Woche ein IPO der Superlative an: Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba würde mit einem erwarteten Volumen von mehr als 20 Milliarden Dollar den bisher größten Börsengang hinlegen und an Facebook (16 Milliarden Dollar) vorbeiziehen. Analysten schätzten den potenziellen Wert von Alibaba nach dem IPO auf knapp 200 Milliarden Dollar. (Sigrid Schamall, DER STANDARD, 4.9.2014)

  • Mit dem Börsegang sollen neue Investoren für eine weitere Expansion gewonnen werden.
    foto: ap/marks

    Mit dem Börsegang sollen neue Investoren für eine weitere Expansion gewonnen werden.

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