Airbus erfindet den Klappsitz fürs Flugzeug

3. September 2014, 13:57
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Ob das Airbus-Konzept den andauernden Rückenlehnen-Kleinkrieg in Flugzeugen beenden kann, darf bezweifelt werden. Mehr Platz trotz enger Bestuhlung scheint dadurch aber realistisch

Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage musste ein Flugzeug wegen eines Streits um eine zurückgeklappte Rückenlehne "notlanden". Eine 32-jährige Reisende haute sich nach Angaben der Fluggesellschaft Delta den Kopf an, als eine Passagierin vor ihr die Lehne zurückklappte, während sie auf dem ausgeklappten Tisch schlief. Die unsanft Geweckte geriet durch den Vorfall derart in Rage, dass sich der Pilot auf dem Flug von New York nach West Palm Beach in Florida für die außerplanmäßige Zwischenlandung in Jacksonville im Norden von Florida entschied. Die Passagierin musste die Maschine verlassen und wurde vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen.

Die cholerische Reaktion einzelner auf die Platznot in Flugzeugen wird freilich nie ganz auszuschließen sein. Es stellt sich aber die Frage, ob nicht auch eine zeitgemäßere Gestaltung der Flugzeugsitze zu einer Deeskalation beitragen kann. Grundsätzlich werden die Kabinen immer enger bestuhlt, um den wirtschaftlichen Druck vieler Airlines durch höhere Auslastung zu lindern. Doch genau diese Reduktion des Platzangebots für den einzelnen führt unter anderem zu mehr Aggression unter den Passagieren.

Ein interessantes Konzept für die Sitzplatz-Gestaltung findet, wer derzeit ein wenig im Register des Deutschen Patent- und Markenamt stöbert. In der Offenlegungsschrift mit der Nummer DE 10 2013 001 190 A1 2014.07.24 findet sich dort ein Patent von Airbus für einen Klappsitz. Wie der Skizze und den erklärenden Beschreibungen zu entnehmen ist, sind sowohl die Rückenlehne als auch die Sitzfläche verstellbar. Die Lehne scheint zwar nur mehr von der steilen Nutz- in eine gemäßigte Ruheposition gebracht werden zu können. Aber der Schwerpunkt des Produktdesigns liegt aber vielmehr auf der hochklappbaren Sitzfläche wie man sie von Kino- oder Theaterstühlen kennt.

Ob dieses Design das Problem des Platzraubs durch Rückenlehnen in Ruheposition löst, darf bezweifelt werden. In der Patentschrift steht lediglich: "Wenn sich die Rückenlehne in ihrer zurückgelehnten Position befindet, ist der Winkel zwischen der Rückenlehne und dem Sitzelement, d. h. der Winkel zwischen der Vorderseite der Rückenlehne und der Sitzfläche des Sitzelements vorzugsweise größer als 100°." Doch wer einen Winkel größer als 100° bevorzugt, ist eben meistens der Knackpunkt bei den aktuellen Streits.

Vorteilhaft ist das Konzept eher in einer anderen Situation: Muss ein Passagier auf die Toilette, und der Nachbar steht auf, um ihn durchzulassen, bleibt hier viel Platz zum Durchgehen. Die Sitzflächen klappen wie etwa bei der Theater-Bestuhlung beim Aufstehen automatisch in die Höhe. Ein zusätzlicher Aspekt dieser Gestaltung: Auf der Unterseite der Sitzfläche ist eine Halterung für Handgepäck angebracht, das hier durch ein zusätzliches Zwischenstück fixiert werden kann. So wird einerseits ein Verrutschen verhindert und andererseits entsteht mehr Platz am Boden für die Füße. (saum, derStandard.at, 3.9.2014)

  • Der gute alte Klappsitz, bekannt aus Kino und Theater, könnte in Flugzeugkabinen mehr Platz trotz immer engerer Bestuhlung bringen.
    foto: sascha aumüller

    Der gute alte Klappsitz, bekannt aus Kino und Theater, könnte in Flugzeugkabinen mehr Platz trotz immer engerer Bestuhlung bringen.

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