Warpaint: Von Zuckerwatte umarmt

2. September 2014, 18:09
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Theoretisch ist man ja todessehnsüchtig, praktisch aber zu faul für derlei Stress. Die US-Band Warpaint gastiert erstmals in Wien

Wien – Die Langeweile hat einen schlechten Ruf. Warum eigentlich? Wenn man sie als das Gegenteil aufgeregter Marktschreierei betrachtet, besitzt sie deutlich höhere Sympathiewerte als 99 Prozent aller Popkasperln da draußen, die noch nie eine Idee von innen gesehen haben.

Warpaint sind zumindest in der Nähe der Langeweile angesiedelt. Wobei, der Damenband aus Kalifornien widerfährt wohl am ehesten Gerechtigkeit, wenn man sie als zurückgelehnt bezeichnet. Aus dieser entspannten Haltung heraus könnte ihr zweites Album entstanden sein. Zumindest klingt es so, und sogar für einen Titel war man zu faul. Kommenden Donnerstag werden die vier in der Wiener Arena herumknotzen.

Aufgetaucht sind Warpaint 2009, als sie ihr Debüt "The Fool" veröffentlicht hatten. Auf den Konzerten der Band sah man vier Ladys mit der Nachlässigkeit verzogener Gören an des reichen Papis Swimmingpool musizieren. "Wir wollen nichts von der Welt, die Welt will was von uns, seufz", signalisierte das Erscheinungsbild, und ihre Musik gestaltete sich dementsprechend.

Ein wenig lasch, dabei süß ohne ungesund zu klingen, schöngeistig und ja, ein wenig theoretisch todessehnsüchtig. Vier Jahre später stickte man heuer an diesem Bild weiter. Ohne sich in historischen Vorbildern zu verheddern, schlurfen Warpaint durch atmosphärische Songs, die kryptische Titel wie "CC", "Hi" oder "Son" tragen.

Böse formuliert bringt diese Musik keine Feng-Shui-Wohnung aus dem Gleichgewicht, positiv betrachtet, ist es Musik, die gegen jeden Zeitgeist produziert ist, dabei mit Liedern wie "Disco/Very" so scharf klingt, wie es andere als leeres Versprechen in die Welt brüllen.

Wahre Schönheit muss sich nicht anbiedern, sie wird von selbst entdeckt. Und diese Schönheit offenbart sich in einem Sounddesign, das preisverdächtig klingt. Als würde man von Zuckerwatte umarmt, während einem ein liebestolles Wesen Unartiges ins Ohr haucht. (Karl Fluch, DER STANDARD, 3.9.2014)

Warpaint live: 4. 9., Arena Wien, Baumgasse 80, 20 Uhr

  • Kultivierte Nachlässigkeit in ausgetüfteltem Soundgewand: Warpaint am Donnerstag live in Wien.
    foto: pias

    Kultivierte Nachlässigkeit in ausgetüfteltem Soundgewand: Warpaint am Donnerstag live in Wien.

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