Konjunkturflaute in der EU: Europa sucht das Gaspedal

Kommentar2. September 2014, 17:49
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100 bis 200 Milliarden Euro wären laut Ökonomen notwendig, um einen Wachstumsimpuls zu setzen

Da mögen sich Österreich und seine Medien noch so viel damit beschäftigen, wie die umgebaute Regierung mit der steigenden Arbeitslosigkeit und dem einbrechenden Wachstum umgeht. Die Antwort auf die Misere wird nicht in Wien, sondern in Brüssel gefunden werden müssen. Denn Österreich hat weniger ein hausgemachtes Problem. Das Land kämpft vielmehr damit, dass die Konjunktur in ganz Europa, und da vor allem in den Kernländern Italien, Frankreich und Deutschland, erlahmt ist.

Klar ist, dass die vielbeschworenen Reformen, wie die Liberalisierung der Arbeitsmärkte in Südeuropa, nicht die Wachstumswende gebracht haben. Auch die Geldspritzen der Euro-Zentralbank haben wenig ausgerichtet.

Der richtige Schritt, um aus dem Konjunkturtal herauszufinden, wäre ein EU-Investitionspaket. 100 bis 200 Milliarden Euro an frischem Geld wären laut Ökonomen notwendig, um einen Wachstumsimpuls zu setzen. Mittel, die angesichts niedriger Zinsen aufzutreiben wären. Auch die passende Gelegenheit für einen Beschluss naht, am 7. Oktober soll es in Rom einen Wachstumsgipfel geben. Doch das Kernproblem Europas ist erneut die Frage, wer die Zeche bezahlt. Die Südländer Spanien und Italien sind finanziell überfordert. In den Nordländern Deutschland und Österreich ist der Leidensdruck noch nicht so hoch, als dass die Regierungen bereit wären, neue Schulden zu machen. Jemand, der dieses Dilemma löst, ist nicht in Sicht. (András Szigetvari, DER STANDARD, 3.9.2014)

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