Wien: 60 Prozent mehr PR-Budget im Song-Contest-Jahr 

2. September 2014, 17:52
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Auch in den Folgejahren genehmigt sich die Stadt Wien eine Aufstockung um 35 Prozent

Wien - Events wie der Wiener Eistraum, der Silvesterpfad oder das Filmfestival auf dem Wiener Rathausplatz werden von der Stadt Wien Marketing GmbH organisiert und durchgeführt. Das jährliche Budget lag zuletzt bei vier Millionen Euro. In Zukunft soll das nicht mehr genug sein. Diesen Mittwoch wird im Ausschuss für Bildung, Jugend, Information und Sport das Budget für das Jahr 2015 um rund 60 Prozent erhöht, die Stadt Wien Marketing GmbH soll im kommenden Jahr 6,37 Millionen Euro erhalten. Laut Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) liegt die Erklärung dafür auf der Hand. Ende Mai findet der Song Contest statt, die Stadt Wien muss dafür Side-Events organisieren und die Werbetrommel rühren.

Doch auch für die Folgejahre soll eine Erhöhung des Budgets für die Stadt-Wien-Tochter fixiert werden. Für die kommenden acht Jahre sollen laut Antrag jeweils 5,37 Millionen Euro budgetiert werden, was eine Erhöhung von mindestens 35 Prozent jährlich bedeutet, berichtete Die Presse.

"Völliger Unfug"

Oxonitsch erklärt im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir haben in Wien immer mehr internationale Veranstaltungen und müssen auch sehr oft beratend zur Seite stehen. Das erwarten sich die Veranstalter, wenn sie nach Wien kommen." Es gehe bei der Budgeterhöhung nicht darum, Eigenleistungen - etwa den Gratiskindergarten oder die Gratisnachhilfe - künftig besser verkaufen zu können und mehr Inserate zu schalten. "Das ist völliger Unfug", sagt Oxonitsch.

Anders sieht das die Wiener VP. Gemeinderätin Isabella Leeb wird gegen den Antrag stimmen: "Ich sehe es nicht als zentrale Aufgabe der kommunalen Verwaltung, mit noch mehr Geld Eigenwerbung zu machen." Leeb verweist auf den PID (Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien), der ohnehin schon ein Budget von mehr als 50 Millionen Euro habe. "Wir haben in Wien 137.000 Arbeitslose, man könnte das Geld sinnvoller einsetzen."

Dem entgegnet Oxonitsch, dass Großevents auch eine Stärkung des Tourismus bedeuten. Die Hälfte aller Gäste am Silvesterpfad komme aus dem Ausland, das zeige, dass das Geld "richtig investiert" werde.

Der Klubobmann der Grünen, David Ellensohn, sieht ebenfalls nichts Verwerfliches in der Budget-Aufstockung: "Die Marketing GmbH übernimmt neue Aufgaben, die bisher der PID geleistet hat." Ob dieser weiterhin mit einem Budget von mehr als 50 Millionen Euro ausgestattet wird, werde man bei den Budgetverhandlungen im Herbst sehen. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 3.9.2014)

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