Gefährdung: Wiener Touristenbusse ändern Linie im Karmeliterviertel

2. September 2014, 17:37
346 Postings

Die Wiener Polizei sieht hohe Touristenbusse, die eine jüdische Schule in Wien passieren, als "grobe Gefährdung ". Busbetreiber wollen die Linie im Karmeliterviertel ab 2015 ändern, Anrainer kämpfen für ein totales Busverbot

Wien - Aus der Wiener Innenstadt wurden Sightseeing-Touristenbusse Ende April dieses Jahres verbannt, um die City zu entlasten. Dafür verkehren diese jetzt verstärkt im jüdischen Viertel im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Mit insgesamt drei Linienführungen durch die engen Gassen im Grätzel rund um den Karmelitermarkt haben sich die Betreiber Vienna Sightseeing und Big Bus aber einen handfesten Konflikt mit Anrainern und Wirtschaftstreibenden in der Leopoldstadt eingehandelt.

"Alle drei Minuten bleibt ein Doppeldeckerbus vor dem Karmelitermarkt stehen", sagt Margareta Hahnemann, die einen Imbissstand betreibt. "Aber die, die aussteigen, fragen hauptsächlich nach dem Weg zum nahen Kriminalmuseum. Kaum ein Tourist geht auf den Markt." Von "viel mehr Verkehr, aber null Umsatzsteigerung und genervten Stammgästen" spricht auch Andrea Dominguez-Dittrich, die die Vinothek "Contor" betreibt.

Bürgerinitiative kämpft

Die formierte Bürgerinitiative "Pro Karmeliterviertel" will die Doppeldeckerbusse aus dem Viertel verbannt sehen. Bestätigt sieht sich die Bürgerbewegung in einem Schriftstück der Landespolizeidirektion Wien, das bei einem zweiten runden Tisch zu der Thematik verlesen wurde.

Diese bezieht sich laut Bürgerinitiative auf eine polizeilich bewachte jüdische Schule in der Malzgasse, die in kurzen Intervallen von den Doppeldeckerbussen passiert wird. Die Landespolizeidirektion Wien geht davon aus, dass von den hohen Bussen eine "grobe Gefährdung" ausgehe. Eine ehebaldige Änderung der Route sei angeraten.

Dass es ein offizielles Gutachten gibt, will Polizeisprecher Roman Hahslinger im Gespräch mit dem STANDARD nicht bestätigen. Aber: "Die Polizei hat sich aus Sicherheitsgründen gegen diese Busroute ausgesprochen", sagt Hahslinger. "Man erwartet sich, dass es eine Ersatzroute geben wird."

Kompromiss-Vorschlag

Diese wurde von einem Busbetreiber beim runden Tisch auch vorgeschlagen. "Wir verzichten auf die Malzgasse und fahren stattdessen über die Sperlgasse", sagte Franz Zwölfer, Direktor von Vienna Sightseeing. Die Israelitische Kultusgemeinde habe sich über den Kompromiss erfreut gezeigt. Die Änderung der Linienführung werde aber erst Anfang 2015 erfolgen können, kündigte Zwölfer im Gespräch mit dem STANDARD an.

Für die Bürgerinitiative ist das keine Lösung: "Wir wollen - analog zum ersten Bezirk - ein Totalverbot für Hop-on-Hop-off-Touristenbusse im Karmeliterviertel", sagte Sprecherin Verena Buxbaum.

Am Zug ist derzeit die MA 65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten) der Stadt Wien. Beharrt die Bürgerinitiative auf ihrem Standpunkt und auf ein offizielles Gutachten der Landespolizeidirektion, könnte das auch weitreichende Konsequenzen haben, sagte SP-Bezirksvorsteher Karlheinz Hora.

"Es könnte aus Sicherheitsgründen von der Polizei ein Fahrverbot in der Malzgasse verhängt werden. Davon wären dann aber auch der Linienbus 5A und die Schülerkurse der Linie 5B betroffen." Falls nur eine Höhenbeschränkung bei Fahrzeugen in der Malzgasse ausgesprochen wird, könnten davon etwa Müllabfuhr und Lkws betroffen sein.

"Busbahnhof" Augarten

Ein Streitpunkt ist auch die - von Anrainern als "Busbahnhof" und von Betreibern als "normale Umsteigestelle" bezeichnete - Haltestelle am Augarten. Dort können Passagiere zwischen zwei verschiedenen Linien von Vienna Sightseeing wechseln. Diesen Verkehrsknotenpunkt habe man wegen Überlastung an der Station Oper zum Augarten verlagert, sagt Direktor Zwölfer.

Als alternative Umsteigemöglichkeit führt Bezirksvorsteher Hora den Verkehrsknoten Praterstern ins Treffen. "Ich habe mich schon länger dafür eingesetzt, dass die Bushaltestelle verlagert gehört. Aber bestimmen kann ich das nicht." Gescheitert sei der Vorschlag am Veto der Wirtschaftskammer. "Aber beim runden Tisch wurden positive Zeichen gesetzt, das neuerlich zu prüfen." (David Krutzler, DER STANDARD, 3.9.2014)

  • Alle paar Minuten steuern Touristenbusse den Karmelitermarkt durch die engen Gassen des Viertels an. Anrainer fordern ein großräumiges Totalverbot der Hop-on-Hop-off-Busse rund um den Markt.
    foto: christian fischer

    Alle paar Minuten steuern Touristenbusse den Karmelitermarkt durch die engen Gassen des Viertels an. Anrainer fordern ein großräumiges Totalverbot der Hop-on-Hop-off-Busse rund um den Markt.

Share if you care.