Melodram, Singspiel, Verbrecherballade

2. September 2014, 17:14
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Andreas Becks letzte Saison am Schauspielhaus Wien

Wien - Musikalisch geprägt ist die letzte Saison von Direktor Andreas Beck am Schauspielhaus. Nicht weil der Theatermacher seiner beruflichen Zukunft vorbaut - er wechselt mit Herbst 2015 an das Theater Basel, ein auch Musiktheater beherbergendes Dreispartenhaus. Sondern weil er (seit 2007 Schauspielhauschef) die zeitgenössische Dramensprache mit Musik erschließen möchte. Die Beschäftigung mit der musikalischen Form währe schon länger und habe erst zur Entscheidung geführt, dem Ruf nach Basel zu folgen, so Beck im Standard-Gespräch. Die vergangene Saison bilanziert mit 81 Prozent Auslastung knapp unter dem Jahr davor.

Über drei großen Uraufführungen prangt das Signet "Musik": Sinfonie des sonnigen Tages von Anja Hilling, mit der Musik des deutschen DJ-Duos Mouse on Mars, Regie: Felicitas Brucker (2. 10.); die Verbrecherballade Johnny Breitwieser von Thomas Arzt in der Regie von Alexander Charim (28. 11.; Musik: Jherek Bischoff) sowie ein Singspiel von Anne Habermehl, Das Gemeindekind, nach dem Roman von Marie von Ebner-Eschenbach (Musik: Gerald Resch); erstinszeniert von Rudolf Frey am 5. März 2015.

Die Nachwuchspflege des Hauses schlägt sich in vier weiteren Stücken nieder, die alle siegreich aus dem Autorenprojekt "stück/ für/stück" hervorgegangen sind: Mit Hunde Gottes legt Thiemo Strutzenberger ein Filmmelodram im Geiste Douglas Sirks vor (11. 10.). Eine Beziehungskomödie steckt hinter Was es bedeutet baden zu gehen von Sebastian Schug (14. 11.). Am 9. Jänner feiert ein östlicher Western von Juliane Stadelmann Uraufführung, Noch ein Lied vom Tod. Und mit Geronnene Interessenslage konterkariert Clemens Mägde den Zustand des immerwährenden Verwaltens (13.2.)

Anstelle der Schauspielhaus-Serie stehen zwei Monologe an: Werner Schwabs Abfall, Bergland, Cäsar sowie ein fiktives Selbstgespräch des Depeche-Mode-Sängers Dave Gahan. Auch ein Abschlussprojekt mit den Wiener Festwochen ist geplant. (afze, DER STANDARD, 3.9.2014)

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