Das Verwirrspiel deutscher Lagenklassifikationen

Kolumne11. September 2014, 17:24
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Vorpremiere der Großen Gewächse des VDP, der einflussreichsten Winzervereinigung Deutschlands

An zwei Verkostungstagen standen in Wiesbaden etwa 400 Weine des Jahrgangs 2013 bereit. Die Plätze werden zugeteilt. Bekommt man nur einen Tag zugestanden, folgt die Qual der Wahl. Probiert wurden daher vor allem Rieslinge aus möglichst vielen Anbaugebieten, um wenigstens bei der Rebsorten-Ikone des Nachbarn einen Überblick über einen Jahrgang zu bekommen, der als "verregnet ohne Ende, überall" beschrieben wird.

Auch unter den VDP-Weingütern gilt: je kleiner die Einheit, desto höherwertig der Wein. Ein "Gutswein" aus Eigenflächen eines Weinguts ist die Basis. "Ortsweine" aus den Weingärten eines Ortes bilden den Mittelbau, an der Spitze stehen die trocken ausgebauten Großen Gewächse aus Großen Lagen, bei denen seit 2012 zusätzlich zwischen "Ersten" und "Großen" unterschieden wird.

Der Wunsch, Spezielles hervorzuheben, ist nachvollziehbar. Allerdings keimt ein zartes Gefühl der Veräppelung auf, wenn einer bereits Großen Lage, von der eine Erste abgespalten wurde, dann eine Sublage draufgesetzt wird. Exklusivität und USP, all das natürlich zu entsprechenden Preisen - die Geduld von Weinfans kann auch überstrapaziert werden. Daran seien Lagenklassifikationsanhänger in Österreich vielleicht erinnert. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 5.9.2014)

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    foto: epa/michael kappeler
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