Luxottica: Scherben im Brillen-Imperium

2. September 2014, 16:54
6 Postings

Der 79-jährige Luxottica-Gründer und Milliardär Leonardo Del Vecchio feuert seinen langjährigen Vorstand und mischt selbst wieder im Geschäft mit

Mailand/Wien - Beim weltweit größten Brillenkonzern Luxottica ist zuletzt einiges zu Bruch gegangen. Am Montagabend hat der langjährige Vorstandsvorsitzende Andrea Guerra das Unternehmen verlassen. Die Differenzen mit dem Firmengründer und Mehrheitseigentümer, dem zweitreichsten Italiener Leonardo Del Vecchio, waren unüberbrückbar, gab dieser bei einem Pressegespräch zu Protokoll. Er selbst wolle eine aktivere Rolle im Geschäft spielen, was dem 49-jährigen Guerra missfiel. Der 79-jährige Del Vecchio, Aufsichtsratschef und Großaktionär, wird künftig Teil eines neuen Dreiervorstands sein, eines "Triumvirats", wie er es nennt.

Mit Guerra geht der Mann, der die globale Expansion des italienischen Konzerns entschieden geprägt hat und in Italien den Ruf des Supermanagers genießt. Er war es auch, der das Unternehmen bei den ersten Anzeichen einer Kreditkrise 2007 defensiv aufgestellt hat und die Schulden abbaute.

Rasantes Umsatzwachstum

Seit Guerra 2004 an die Spitze von Luxottica wechselte, hat sich der Umsatz des Brillenkonzerns, der durch die Marken Ray-Ban und Oakley bekannt ist, mehr als verdoppelt. Der Umsatz lag 2013 bei 7,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn immerhin bei 617 Millionen Euro. Der Managementerfolg von Guerra machte Unternehmensgründer Del Vecchio mit einem Vermögen von 20 Milliarden Euro zum zweitreichsten Italiener.

Der globale Erfolg des italienischen Unternehmens geht nicht zuletzt auf die enge Kooperation mit bekannten Modefirmen zurück. So gut wie jede Luxusmarke lässt bei Luxottica fertigen: Armani, Dolce & Gabbana, Burberry, Tiffany. Dazu kommen noch die eigenen Marken wie Ray-Ban, Vogue Eyewear oder Oakley. 77 Millionen Brillen wurden 2013 insgesamt verkauft, 73.000 Mitarbeiter beschäftigt Luxottica weltweit - nicht nur in den Fabriken für die Brillengestelle, sondern auch in seinen 5700 Geschäften. Die beiden Ketten Sunglass Hut und Lenscrafters sind dabei wichtigste Vertriebskanäle.

Doch während Guerra der Garant für den wirtschaftlichen Erfolg war, sind die Differenzen mit dem Unternehmensgründer immer größer geworden. So soll der Spitzenmanager den Mehrheitseigentümer erst spät von einem 2014 fixierten Deal mit dem US-Internetgiganten Google unterrichtet haben.

Den Ausschlag für die Trennung des erfolgreichen Gespanns an der Spitze von Luxottica dürfte aber die Politik gespielt haben. Guerra wurde vom italienischen Premierminister Matteo Renzi lange Zeit medial als möglicher Minister seiner Regierung im Spiel gehalten. Er war dabei das Symbol für das wachsende, erfolgreiche Italien, das international konkurrenzfähig ist. Guerra hat erst spät auf das politische Angebot reagiert und letztlich abgelehnt.

"Sicher nicht die Qualität"

Dass sich der Manager zu wenig und zu spät zum Konzern bekannte, hat den Firmenpatriarchen Del Vecchio sichtlich geärgert. "Er hat sicher nicht die Qualität eines Politikers", sagte der Milliardär am Dienstag etwa in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera.

An den Finanzmärkten reagierten Analysten und Aktionäre negativ auf den Wechsel an der Konzernspitze. Luxottica war bei Guerra "in sicheren Händen", kommentierte etwa Luca Solca, Analyst von Exane BNP Paribas, den Konzernumbau.

Dass sich Guerra mit dem Konzerneigentümer überworfen hat, dürfte er zumindest wirtschaftlich verkraften. Er erhält eine Entlassungsentschädigung von zehn Millionen Euro. Dazu verkauft er noch sein Aktienpaket zu je 41,5 Euro je Anteilsschein, damit lukriert er laut Unternehmensangaben noch einmal 33,7 Millionen Euro. (sulu, DER STANDARD, 3.9.2014)

  • Überraschung! Topmodel Gisele Bündchen war jahrelang das Gesicht von Vogue Eyewear, Teil des Brillenkonzerns Luxottica. Trotz der erfolgreichen Expansion, gerade in der Luxusbranche, hat Firmengründer Leonardo Del Vecchio seinen langjährigen Vorstand gefeuert.
    foto: epa/rothstein

    Überraschung! Topmodel Gisele Bündchen war jahrelang das Gesicht von Vogue Eyewear, Teil des Brillenkonzerns Luxottica. Trotz der erfolgreichen Expansion, gerade in der Luxusbranche, hat Firmengründer Leonardo Del Vecchio seinen langjährigen Vorstand gefeuert.

Share if you care.