Toronto - Die Filmfestivals geben sich im September die Klinke in die Hand: Während in Venedig noch reihenweise Stars über den roten Teppich schreiten, rüstet sich bereits die nächste Metropole für den großen Celebrity-Auflauf. In Kanada geht am Donnerstag (4. September) das International Film Festival in Toronto (TIFF) in seine 39. Saison.

Mit 392 Produktionen aus 72 Ländern legt das Filmfest erneut kräftig zu. Österreich ist mit sieben Produktionen vertreten. So feiert Jessica Hausners Cannes-Beitrag "Amour Fou" in der renommierten Sparte "Contemporary World Cinema" ebenso Nordamerika-Premiere wie der Horrorfilm "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala in der Kategorie "Vanguard".

In der Avantgarde-Sparte "Wavelengths" sind mit "Twelve Tales Told" von Johann Lurf, "Der Zuhälter und seine Trophäen" von Antoinette Zwirchmayr und "Poetry for Sale" von Friedl vom Gröller drei Kurzfilme österreichischer Filmemacher sowie mit "Detour de Force" der US-Amerikanerin Rebecca Baron die Weltpremiere einer österreichischen Koproduktion zu sehen. In der filmhistorischen "Cinematheque" läuft die von Navigator Film produzierte Doku "Zum Vergleich" (2009) des kürzlich verstorbenen Harun Farocki.

146 Weltpremieren

Insgesamt warten bis zum 14. September 146 Weltpremieren auf das Publikum, unter anderem der Eröffnungsfilm "The Judge" mit Robert Duvall und Robert Downey Jr., das Flüchtlingsdrama "The Good Lie" mit Reese Witherspoon und die Komödie "St. Vincent", in der Bill Murray einen Rentner aus Brooklyn spielt, der sich mit dem 12-jährigen Nachbarjungen anfreundet.

Deutschland schickt unter anderem die Weltpremieren von Christian Petzolds Nachkriegsdrama "Phoenix", Giulio Ricciarellis Aufarbeitung der Nazi-Gräultaten "Labyrinth of Lies" und Baran bo Odars "Who Am I - No System Is Safe" ins Rennen. Mit dem Film über junge Hacker ist mit Tom Schilling, Elyas M'Barek, Hannah Herzsprung und Antoine Monot Jr. die junge deutsche Schauspielriege geballt in Kanada vertreten. Der Cast des Films wird, ebenso wie Nina Hoss ("Phoenix") und Alexander Fehling ("Labyrinth of Lies"), bei den Premieren in Toronto dabei sein.

Die deutsche Riege ist in bester Gesellschaft, denn auch Hollywood-Größen kommen gerne scharenweise nach Toronto. Während Cannes und Venedig als schicke und glamouröse Festspiele gelten, behält in der kanadischen Metropole Lässigkeit die Oberhand. Stars wie Julianne Moore, Keira Knightley oder Reese Witherspoon zeigen sich hier nicht nur bei den Premieren, sondern oft auch beim entspannten Shopping. Robert Pattinson, Jake Gyllenhaal oder Benedict Cumberbatch, auch für 2014 angekündigt, wurden in den vergangenen Jahren bereits beim Plausch mit Kollegen in Bars oder Restaurants gesichtet, meistens gänzlich ungestört von Fans. Die strömen lieber in die verschiedenen Kinosäle der Stadt und geben anschließend ihr Voting ab.

Publikum entscheidet über Gewinner

Denn beim TIFF entscheidet - anders als in Cannes oder Venedig - anstelle einer Jury das Publikum über die Gewinner-Filme. Und die Zuschauer in Toronto bewiesen in den vergangenen Jahren einen guten Riecher. So gut, dass das Festival mittlerweile als zuverlässiges Barometer für die im Februar anstehenden Academy Awards gilt.

2013 gewann beispielsweise das Sklavendrama "12 Years A Slave" den Publikumspreis und sahnte anschließend auch bei den Oscars ab. In den Jahren davor heimsten Filme wie "Silver Linings", "The King's Speech" oder "Slumdog Millionaire" nach ihrem Gewinn in Toronto weitere große Preise ein. (APA, 2.9.2014)