Rückhalt für Anti-Mafia-Priester 

2. September 2014, 20:48
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Don Luigi Ciotti hält Messe unter Polizeischutz

Die Messe zelebrierte Don Luigi Ciotti am Sonntag unter Polizeischutz. Damit reagierte das italienische Innenministerium auf eine Morddrohung durch den inhaftierten Mafia-Boss Totó Riina. In einem im Hof des Mailänder Opera-Gefängnisses abgehörten Gespräch erregte sich Riina gegenüber dem inhaftierten apulischen Clanchef Alberto Lorusso: "Ciotti, Ciotti, den können wir ruhig umbringen."

Das war vor rund einem Jahr. Ein Mitschnitt des Gesprächs wurde von der Tageszeitung La Repubblica jetzt veröffentlicht. Der 69-jährige Priester aus dem Dolomiten-Ort Pieve di Cadore gilt als Ikone der Antimafia-Bewegung.

Seit zwei Jahrzehnten kämpft er gegen das organisierte Verbrechen. Sein größter Erfolg war die Gründung der Organisation Libera, die beschlagnahmte Mafia-Güter verwaltet. Dazu gehört das Anwesen "Terre di Corleone" nahe dem Geburtsort Riinas. Im renovierten Stall des Hauses, das Touristen 16 Betten bietet, hielt sich der Boss lange versteckt. Auch das Weingut "I cento passi" wenige Kilometer weiter ist ein beschlagnahmtes Mafiagut, das neu mit Rebstöcken bepflanzt wurde.

Mafiaboss seit 20 Jahren in Haft

Dass die geschwächte sizilianische Mafia, der ihre kalabresischen und kampanischen Ableger Ndrangheta und Camorra längst den Rang abgelaufen haben, Don Ciotti ermorden würde, ist eher unwahrscheinlich: Riina sitzt seit 20 Jahren in Haft.

Die Morddrohung gegen Ciotti löste eine Solidaritätswelle aus. Staatspräsident Giorgio Napolitano rief den Priester an, um ihm den Rücken zu stärken. Der Geistliche ist kein Mann, der sich einschüchtern lässt. "Mein Kampf gegen die Mafia wurzelt direkt im Evangelium."

Die Kirche hat unter Papst Franziskus den Kampf gegen das organisierte Verbrechen deutlich verschärft. Bei einem Besuch in Kalabrien sprach er Mafia-Mitgliedern jede Zugehörigkeit zur katholischen Kirche ab. "Diejenigen, die den falschen Weg wählen, sind exkommuniziert." (Gehard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 3.9.2014)

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