Ö1: Ein Chef soll kommen, nicht nur ein Leiter  

2. September 2014, 15:20
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Radiodirektor kündigt für Herbst neue Senderstruktur an – Betriebsrat protestiert

Wien - "Mein Ö1-Chef sitzt da hinten“, sagt ORF-Radiodirektor Karl Amon. Von dort verfolgt Peter Klein die Präsentation des ORF-Radiokulturhauses. Klein leitet Hörspiel und Feature bei Ö1, Amon hat ihn nominiert als Programmleiter des ORF-Kulturradios. Der war im Frühjahr ausgeschrieben, seit Monaten liegt die Personalie zur Entscheidung bei ORF-General Alexander Wrabetz. Die Mehrheit der Redakteure stimmte für Radio-Administrationschefin Ulrike Wüstenhagen. Nun könnte der Job gleich neu ausgeschrieben werden.

Im STANDARD-Interview hat ORF-General Wrabetz fix angekündigt, dass Ö1 wie Ö3 und FM4 einen Senderchef mit Budgetverantwortung, Programm- und Personalkompetenzen bekommt.

"Klare Sendungsverantwortung für alle Sender"

Nun kündigt auch Radiodirektor Amon sehr bestimmt für diesen Herbst einen solchen Senderchef für Ö1 an. Der Plan sei "klare Sendungsverantwortung für alle Sender“, sagt Amon. Ebenfalls im Herbst soll der Senderchef fix sein. Nur: Schon im Juli erinnerte Betriebsratschef und Radiobetriebsrat Gerhard Moser das ORF-Management erbost, dass bisher kein Senderchef ausgeschrieben war, nur ein Programmleiter.

Betriebsrat bass erstaunt

Nun reagiert Moser noch grantiger auf Amons Ankündigung: Er sei "bass erstaunt, dass der Hörfunkdirektor eine derart sensible Materie wie den höchst strittigen Umbau der Ö1-Organisation ankündigt und eigentlich schon vorwegnimmt, ohne je Gespräche mit der Belegschaftsvertretung aufgenommen zu haben“, erklärte Moser der APA. Er findet das "alles andere als seriös“ und gestalte "die Ausgangslage für etwaige Verhandlungen alles andere als positiv.“ Der Betriebsrat müsste einer Neuorganisation zustimmen.

Die Ö1-Führung und -Struktur ist nicht Amons einzige Baustelle:_Entgegen seinen Versicherungen im Stiftungsrat des ORF wird er – Stand: Juni – sein Budget heuer rund zwei Millionen verfehlen. Im Juni lag das Radiokulturhaus 220.000 Euro unter Plan. Dienstag erklärte sein Chef Thomas Wohinz, es ist zu 75 Prozent ausgelastet, an 330 Tagen im Jahr gebe es Veranstaltungen, 17.000 Minuten steuerte es zum Ö1-Programm bei.

"Ökonomisch gesunder Klangkörper"

Das Radiosymphonie-Orchester sieht Amon als „ökonomisch gesunden Klangkörper“; mit Stand Juni liegt es heuer 443.000 unter Plan. Die Musiker hätten „solidarisch auf Zusatzleistungen beim Gehalt“ verzichtet, lobt Amon. Er fand bisher nicht genügend Sponsoren. Im Herbst werde der Job des Intendanten ausgeschrieben. Der Vertrag mit Chefdirigent Cornelius Meister wurde schon verlängert.

Sicher neu ab 28. Oktober in Ö1 und Radiokulturhaus:_Medienanwalt Alfred Noll redet mit Autoren – Vea Kaiser, Robert Menasse, Doris Knecht, Ilija Trojanow über die_„Kunst der Demokratie“. (fid, prie, DER STANDARD, 3.9.2014)

  • Radiodirektor Karl Amon.
    foto: heribert corn

    Radiodirektor Karl Amon.

  • Amons Wunschkandidat für Ö1: Peter Klein
    foto: apa

    Amons Wunschkandidat für Ö1: Peter Klein

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