Gasstreit: Treffen von Russland, Ukraine und EU

2. September 2014, 15:22
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Dreiertreffen mit EU-Kommissar Oettinger im Gespräch

Brüssel - Zur Lösung der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine ist laut EU ein Spitzentreffen Mitte September im Gespräch. Teilnehmen sollen der russische Energieminister Alexander Nowak, der ukrainische Energieminister Juri Prodan und EU-Energiekommissar Günther Oettinger, wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte.

Ort und genauer Zeitpunkt sollten demnach im Anschluss an ein Gespräch zwischen Oettinger und Prodan am kommenden Montag vereinbart werden. Bereits zuvor sind am Donnerstag Gespräche auf Expertenebene zwischen Russland und EU in Brüssel vorgesehen, hieß es weiter; vergangene Woche hatte Oettinger in Moskau Nowak getroffen.

Weiter Gas durch Ukraine

Bei den Brüsseler Gesprächen soll die Analyse von Zahlen im Mittelpunkt stehen, die die Gasversorgung im nächsten Winter betreffen. Vor kurzem hatte Oettinger gewarnt, dass in einem kalten Winter in der Ukraine Gas aus Lieferungen abgezweigt werden könnte, die eigentlich aus Russland durch die Ukraine in die EU fließen sollen.

Der ungelöste Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine dreht sich um unbezahlte Rechnungen und den Preis für künftige Lieferungen. Moskau hatte deshalb im Juni den Gashahn für das Nachbarland zugedreht. Russland liefert allerdings weiter für Deutschland und andere westeuropäische Länder bestimmtes Gas durch die Ukraine.

Slowakische Gas für Ukraine

Am Dienstag wurde indessen nach zwei Testwochen eine Gasleitung in der Slowakei offiziell eröffnet. An der feierlichen Eröffnung bei der Pumpstation Velke Kapusany nahmen die Regierungschefs und Energieminister der Slowakei und der Ukraine teil. Ende April hatten beide Länder vereinbart, eine Nebenleitung zu verwenden, die ursprünglich ein slowakisches Wärmekraftwerk in Vojany mit russischem Gas aus der Ukraine versorgen sollte.

Das soll helfen die Abhängigkeit des krisengeschüttelten Landes von Russland zu reduzieren. Über die Pipeline können bis zu 20 Prozent des jährlichen Gasbedarfs der Ukraine gedeckt werden. Die EU reagiert damit auf eine Maßnahme des russischen Gazprom-Konzerns, der im Juni wegen eines Preisstreits Lieferkürzungen angekündigt hatte. Gazprom hatte bereits 2006 und 2009 seine Gasexporte in das Nachbarland zeitweise gestoppt.

Ungarn und Polen haben ebenfalls Pipelines, über die Erdgas in die Ukraine transportiert werden kann. Die slowakische Leitung hat aber die größere Kapazität. Russland ist Europas größter Lieferant von Öl, Kohle und Erdgas. Die europäische Pipeline-Infrastruktur ist deshalb so aufgebaut, dass Erdgas von Ost nach West fließt. Wegen des Ukraine-Konflikts drängt die EU nun aber darauf, die Lieferrouten auch umzukehren, um Kiew zu helfen. (APA, 2.9.2014)

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