Pfleger in Liberia streiken für Schutzanzüge gegen Ebola

2. September 2014, 06:26
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Nach Guinea und Liberia lockert Elfenbeinküste Grenzschließungen - Kritik von Weltbank-Chef Kim

Freetown/Conakry/Lagos - Krankenschwestern und Pfleger in Liberias größtem Krankenhaus sind in einen unbefristeten Streik für mehr Lohn und besseren Schutz vor dem Ebola-Virus getreten. Sie würden erst wieder zurückkehren, wenn sie mit Schutzanzügen ausgerüstet seien, sagte der Sprecher der Streikenden am John-F.-Kennedy-Hospital in Monrovia, John Tugbeh, am Montagabend.

Seit Beginn der Epidemie hätten sich viele Ärzte und Mitarbeiter des Krankenhauses infiziert, weil sie ungeschützt mit den Patienten gearbeitet hätten. Die Krankenhausverwaltung äußerte sich zunächst nicht zu den Arbeitsniederlegungen.

Jedes zehnte Opfer aus Gesundheitsberuf

Wegen der Gefahr für das medizinische Personal war die Klinik bereits im Juli zeitweise geschlossen worden. Ein längerer Streik dürfte den Kampf des westafrikanischen Landes gegen das tödliche Virus aber stark beeinträchtigen. An dem Erreger, der über Körperflüssigkeiten übertragen wird, sind bereits mehr als 1.500 Menschen gestorben, darunter allein 700 in Liberia. Rund zehn Prozent der Opfer waren Ärzte, Pfleger oder Krankenschwestern.

Nach Kritik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss die Regierung der Elfenbeinküste unterdessen, die Grenzschließungen zu den Ebola-Ländern Guinea und Liberia etwas zu lockern. Hilfskonvois könnten ab sofort über "humanitäre Korridore" in die betroffenen Nachbarstaaten fahren, kündigte der Nationale Sicherheitsrat in einer am Abend im Fernsehen verlesenen Erklärung an.

Die Elfenbeinküste hatte am 22. August ihre Landesgrenzen nach Guinea und Liberia geschlossen, um sich vor einer Ausbreitung des Erregers zu schützen. Diese und ähnliche Maßnahmen werden von der WHO abgelehnt, da die Epidemie schon jetzt der Wirtschaft und den sowieso schwachen Gesundheitssystemen der betroffenen Länder stark zusetzt.

Warnung vor Nahrungsmittelmangel

Auch die Ernährungssituation verschärft sich durch die Epidemie zusehends. Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) mit Sitz in Rom warnte am Dienstag, viele Familien könnten sich Lebensmittel schlicht nicht mehr leisten.

So sei in Liberias Hauptstadt Monrovia der Preis für das Grundnahrungsmittel Maniok in den ersten Augustwochen um 150 Prozent gestiegen. Das Problem dürfte sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen und den Kampf gegen die Ausbreitung der Seuche zusätzlich erschweren. Um kurzfristig zu helfen, stelle das Welternährungsprogramm (WFP) für 1,3 Millionen Menschen 65.000 Tonnen Lebensmittel bereit.

Die FAO-Erklärung bezog sich auf Liberia, Sierra Leone und Guinea, jene drei Staaten, in denen die Krankheit am schlimmsten wütet. Die Behörden kämpfen unter anderem mit Grenzschließungen und Quarantänen gegen eine weitere Ausbreitung von Ebola. Allerdings behindert das auch den Transport von Lebensmitteln. Wenige Wochen vor dem Beginn der Reis- und Maisernten können auch die Helfer nicht auf die Felder.

Kritik von Weltbank-Chef

Weltbank-Chef Jim Yong Kim warf indes der Weltgemeinschaft schwere Versäumnisse bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika vor. Die Reaktion auf den Ausbruch der Seuche sei "verheerend unzulänglich", kritisierte Kim in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Washington Post": "Viele sterben unnötig."

Kim rief die wohlhabenden Länder dazu auf, den afrikanischen Staaten beizustehen. Mit der medizinischen Ausrüstung des Westens könne die Krankheit leicht eingedämmt werden. "Wir befinden uns in einem gefährlichen Moment", warnten Kim und sein Mitautor, der Harvard-Professor Paul Farmer. "Zehntausende Menschenleben, die Zukunft der Region und schwer erkämpfte wirtschaftliche wie medizinische Fortschritte für Millionen von Menschen hängen in der Schwebe."

Medikamente und Tests aus Japan

Trotz Kims Kritik wird die Bekämpfung der Krankheit weltweit vorangetrieben. Japan etwa soll die experimentelle Arznei Favipiravir an Nigeria liefern. Es ist in Japan gegen Influenza zugelassen und in größeren Mengen verfügbar. Der Wirkstoff hat einen Effekt gegen eine ganze Reihe von Viren, deren Erbsubstanz auf RNA beruht.

Favipiravir könne sofort geliefert werden, sagte Nigerias Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Montag bei einem Notfalltreffen in Abuja. Entwickelt wurde es von dem Unternehmen Toyama Chemical, das zur Fujifilm Holdings Corporation gehört. Es sind genügend Dosen vorhanden, um 20.000 Menschen damit zu behandeln. Favipiravir wird auch unter der Bezeichnung T-705 und dem Produktnamen Avigan geführt. In einer deutschen Studie hatte es mit Ebola infizierten Mäusen geholfen.

Nigeria hat nach Angaben von Chukwu auch um das Ebola-Mittel TKM gebeten, das in Kanada entwickelt wurde. Es kann vergleichsweise schnell produziert werden und wurde an Affen sowie an einzelnen Menschen getestet. Die Versuche wurden aber im Jänner unterbrochen, weil ein Proband Nebenwirkung im Magen-Darm-Bereich bekam. Nigeria sei außerdem bereit, bei zwei Impfstoffversuchen gegen Ebola mitzumachen, ergänzte Chukwu.

Japanische Forscher haben außerdem einen Ebola-Schnelltest entwickelt, der auch billiger ist als bereits existierende Nachweismethoden. "Die neue Methode ist einfacher als die bisherige und kann in Ländern eingesetzt werden, wo teure Testgeräte nicht vorhanden sind", sagte der Forscher Jiro Yasuda von der Universität Nagasaki am Dienstag. Demnach liegt das Untersuchungsergebnis binnen 30 Minuten vor. (APA/red, derStandard.at, 2.9.2014)

  • Nicht alles Medizinpersonal in Liberia hat Zugang zu Schutzanzügen. Krankenhausbedienstete in Monrovia streiken nun dafür.
    foto: ap photo/abbas dulleh

    Nicht alles Medizinpersonal in Liberia hat Zugang zu Schutzanzügen. Krankenhausbedienstete in Monrovia streiken nun dafür.

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