Frauke Petry: Neue Mutti für frustrierte Konservative

Kopf des Tages1. September 2014, 17:53
152 Postings

Die Sächsin ist der neue Star der AfD

Es kann nur eine Mutti geben. So war es bisher im politischen Deutschland, und mit dieser Bezeichnung war natürlich Kanzlerin Angela Merkel gemeint. Doch nun, mit dem Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei der sächsischen Landtagswahl, ist eine neue Mutti ins Blickfeld gerückt - noch dazu eine waschechte.

Frauke Petry ist 39 Jahre alt, verheiratet mit einem Pastor und vierfache Mutter. Ohne sie als Spitzenkandidatin hätte die AfD am Sonntag nicht diesen fulminanten Einzug in den sächsischen Landtag feiern können, den ersten in ein deutsches Landesparlament.

Denn Petry kämpft nicht nur mit so großer Eloquenz für "rechte demokratische Politik, wie sie die CDU einmal vertreten hat", dass man manchmal Angst hat, sie könnte das Atmen vergessen. Sie sticht zudem in einer Partei hervor, der nicht zu Unrecht das Etikett "Altherrenpartei" anhängt.

Apropos alt: Den Blick zurück scheut Petry nicht. Im Wahlkampf hat sie immer wieder erklärt, es sei in der DDR "nicht alles schlecht" gewesen, vor allem nicht die Familienpolitik, denn da hätten die Frauen noch mehr Kinder bekommen. So viele, wie sie selbst hat, müssen es ja nicht sein, aber für die "Drei-Kind-Familie" plädiert sie schon, um das "Überleben des eigenen Volkes sicherzustellen".

Sie selbst wird 1975 in Dresden geboren, geht mit 14 Jahren mit ihrer Familie nach Nordrhein-Westfalen. In Großbritannien und Göttingen studiert sie Chemie, gründet 2007 in Leipzig das Unternehmen PUR- invent, das ein neuartiges Kunststoffgemisch als Füllmaterial für Reifen herstellt.

Zunächst wird Petry für ihre Innovation gefeiert und erhält sogar das Bundesverdienstkreuz. Doch 2013 geht die Firma pleite. Im Juni 2014 muss Petry, weil sie für die Firma gebürgt hatte, auch privat Insolvenz anmelden. Und es kommt noch schlechter: Drei Tage vor der Wahl wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft schon seit einiger Zeit wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt.

Die Häme ist groß, denn Petry, die auch Bundessprecherin ist, hatte die EU-Hilfen für Griechenland einst so kritisiert: "In der Wirtschaft nennt man das Insolvenzverschleppung. Als Mittelständlerin machte ich mich damit strafbar." Doch Petry wertet die Ermittlungen als Aktion ihrer Gegner und konzentriert sich nun darauf, ihre Positionen für frustrierte Konservative durchzusetzen: mehr deutsche Lieder im Radio und besseren Schutz an den Grenzen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 2.9.2014)

  • Frauke Petry war Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland in Sachsen.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Frauke Petry war Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland in Sachsen.

Share if you care.