Vor den Schweden kommt der Skifahrer

1. September 2014, 17:41
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Hermann Maier spricht dem ÖFB-Team zu Beginn der Vorbereitungswoche für den Auftakt der EM-Qualifikation Mut zu

Wien - Die Vorbereitung auf ein Fußballländerspiel, konkret jenes zum Auftakt der EM-Qualifikation am 8. September gegen Schweden, beginnt mitunter feierlich. Da haben sich am Montag um die Mittagszeit richtige Granden im Haus des Sponsors versammelt. Als Überraschungsgröße ward Hermann Maier geladen, wobei sein Auftritt ein nicht gerade geschlossenes Geheimnis war.

Teamchef Marcel Koller, David Alaba und Co waren längst informiert. Maier wirbt seit 17 Jahren für Raiffeisen, das Nationalteam seit elf, wobei die Erfolge des im Oktober 2009 zurückgetretenen Skifahrers schon auffälliger waren. Allerdings sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner mit dem Brustton der Überzeugung: "Das Fußballnationalteam ist die Lieblingsmannschaft der Österreicher."

Der 41-jährige Maier, der Kameraleute und Reporter nach wie vor in Hysterie versetzt, sagte, dass ihm Fußball sehr viel bedeute. "Mein Herz schlägt dafür." Vor der WM in Brasilien wurde er vom Deutschen Fußballbund ins Quartier nach Südtirol gebeten. Maier stellte sich für ein sogenanntes Kamingespräch zur Verfügung. Joachim Löw, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze und der ebenso berühmte Rest stellten tatsächlich Fragen. Für Maier war es eine "interessante Erfahrung. Ich war überrascht von der Bereitschaft."

Dass Deutschland aufgrund dieses Beisammenseins Mitte Juli Weltmeister geworden ist, kann nicht belegt werden. Irgendwann, an einem noch festzulegenden Termin, wird Maier aus der Flachau anreisen und vor den österreichischen Kickern sprechen. "Ich bin kein Sportpsychologe oder irgendein Guru. Es geht darum, was Siege und Rückschläge bedeuten, und wie man damit fertig wird." Koller über Maier: "Er ist die personifizierte Konsequenz."

Grenzgänger

Der 22-jährige Alaba erwartet von Maier, "dass er gegen Schweden ein Tor schießt". Wovon Maier allerdings nicht ausgeht, "weil mich Herr Koller sicher nicht aufstellt". Was Maier an Alaba schätzt: "Er hat mit Bayern München wahnsinnig viel erreicht. Dabei ist David noch jung, es liegt viel vor ihm. Das ist das Besondere an ihm." Nicht nur vor Alaba soll die EM 2016 in Frankreich liegen. Koller glaubt an das Erreichen des Ziels: "Sofern jeder jederzeit über die Grenzen geht. Die Spieler müssen die Energie auf den Platz bekommen."

Die Mannschaft ist im Laufe des Montags in Wien eingetroffen, der Flieger von Christian Fuchs hatte Verspätung. Am Nachmittag wurde im Regen leicht trainiert, im Sinne von regeneriert. Veli Kavlak ist angeschlagen (zum Glück nicht ernsthaft), Marc Janko müde, der Flug von Australien war keine Ringelspielfahrt. Rubin Okotie durfte sich zuvor mit Maier fotografieren lassen, der 27-Jährige gibt nach zwei Jahren ein Comeback.

In den vergangenen Monaten ist es mit dem Stürmer steil bergauf gegangen. In Dänemark hat er gelernt, "wieder Tore zu schießen. Das war wichtig fürs Selbstvertrauen." Bei 1860 München hat er in fünf Pflichtspielen sechsmal getroffen. "Meine Bilanz ist gut, als Mannschaft haben wir nur zwei Zähler." Er, Okotie werde versuchen, sich im Training aufzudrängen. "Ein Duell mit Janko um einen Platz in der Startformation ist es nicht."

Koller hat mitbekommen, dass Zlatan Ibrahimovic ziemlich fit sein muss. Die Bauchmuskelzerrung war eine vernachlässigbare Anekdote in der Biografie, beim 5:0 von Paris SG gegen St. Etienne schoss er drei Tore. Ob den Teamchef schaudert? "Nein. In der WM-Quali haben wir daheim gegen Schweden mit Ibrahimovic 2:1 gewonnen. Wir schauen auf uns, werden wegen Ibrahimovic nicht in die Steinzeit verfallen." Alaba sagte noch: "Es kribbelt." Und er lächelte Maier an. (Christian Hackl, DER STANDARD, 2.9. 2014)

  • Hermann Maier und David Alaba. In einer Woche soll aber der Fußballer aus  dem Hintergrund treten.
    foto: apa/pfarrhofer

    Hermann Maier und David Alaba. In einer Woche soll aber der Fußballer aus dem Hintergrund treten.

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