Citibank erhöht Gage für Banker

1. September 2014, 17:29
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Vorgaben der EU-Boni-Vorschriften werden umgangen

Wien - Die Top-Banker der Citigroup, die in Europa arbeiten, haben in den vergangenen Wochen Post bekommen. Darin wurde den Großverdienern mitgeteilt, dass sie künftig monatliche Fixzahlungen erhalten - zusätzlich zum bisherigen Gehalt. Mehr als 600 Citi-Bankern ist so ein Brief auf den Tisch gelegt worden, berichtet die Financial Times unter Berufung auf Insider. Damit tut das US- Institut das, was viele andere Banken auch schon getan haben. Es umgeht die neuen EU-Vorgaben zur Boni-Begrenzung.

Die Zeiten, in denen europäische Banker unendlich hohe Bonuszahlungen einstreifen konnten, sollen mit den EU-Richtlinien zum Vergütungssystem (Guidelines on Remuneration Policies and Practices) eigentlich der Vergangenheit angehören. Zusatzzahlungen an Banker dürfen demnach - je nach Höhe - nicht mehr sofort ausgezahlt werden. Macht der variable Teil mehr als 100 Prozent des Fixbezugs aus oder werden beim Bonus 150.000 Euro im Jahr überschritten, dürfen nur 40 Prozent davon sofort ausbezahlt werden. Die restlichen 60 Prozent müssen auf fünf Jahre gestaffelt gezahlt werden. Allerdings nur dann, wenn sich die Bank das auch leisten kann. Verbucht ein Institut ein schlechtes Jahr, verfällt die anteilige Bonuszahlung. Nachzahlungen gibt es nicht. Wer Aktien als Bonus erhält, muss diese mindestens drei Jahre behalten.

Gleicher Verdienst

Mit diesen Vorgaben soll einem in der Finanzkrise oft gehörten Kritikpunkt Rechnung getragen werden: dass für die Bonusberechnung nur die Erreichung kurzfristiger Ziele, nicht aber die langfristige Leistung des Mitarbeiters herangezogen werde.

Ein leitender Banker der Citi sagte laut Financial Times, dass das Vergütungsmodell in Europa so angepasst werde, damit die europäischen Kollegen den gleichen Verdienst haben wie ihre Kollegen in den USA oder Asien. Man wolle vermeiden, dass die Mitarbeiter wegen der Vergütung geografische Präferenzen entwickeln würden.

Um die geringeren Boni auszugleichen, wollen laut einer Studie der Managementberatung Mercer 55 Prozent der Banken in der EU die Grundgehälter erhöhen oder Zulagen zahlen. Wie die EU-Vorgaben in Österreich umgesetzt werden, ist derzeit Gegenstand einer Erhebung durch die Finanzmarktaufsicht FMA. (bpf, DER STANDARD, 2.9.2014)

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