Behindertensportler sollen nicht mehr separiert werden

1. September 2014, 16:03
3 Postings

In sieben österreichischen Fachverbänden werden auch Behindertensportler betreut - das wird nicht nur positiv gesehen

"Wir haben in den letzten Monaten wesentliche Schritte bei der Inklusion gemacht", sagt Sportminister Gerald Klug. Das Anfang des Jahres in Kraft getretene Bundes-Sportförderungsgesetz sieht neben einer getrennten und transparenten Förderung von Spitzen- und Breitensport auch die Zusammenführung von Behinderten und Nicht-Behinderten im Spitzensport vor. Mittlerweile wurden mit sieben Fachverbänden (Bogensport, Kanu, Pferdesport, Radsport, Rudern, Skilauf und Tischtennis) Kooperationsverträge geschlossen. Es handelt sich dabei vorwiegend um Sportarten, die auch auf internationaler Ebene bereits inkludiert haben.

Behindertensportler werden genauso wie Nicht-Behinderte von den entsprechenden Verbänden betreut. Weitere Kooperationen werden angestrebt. Es brauche eine Person, die als Schnittstelle zwischen Fachverband und Behindertensportverband (ÖBSV) fungiert, sagte ÖBSV-Präsidentin Brigitte Jank. Dem ÖBSV komme aufgrund des Know-how weiterhin eine wichtige Rolle zu, etwa in rechtlichen Belangen und im Förderwesen. Die Sportler werden also von zwei Verbänden betreut.

Schröcksnadel sieht ÖSV als Vorreiter

Als Vorreiter im Bereich der Inklusion sieht Präsident Peter Schröcksnadel den Österreichischen Skiverband: "Der ÖSV hat sich bereits nach dem Krieg mit Behindertensport auseinandergesetzt." Seit 1992 habe der Verband einen eigenen Referenten dafür. Finanziell sei die Situation heute deutlich besser. "Wir sind ausfinanziert." Früher habe der ÖSV für den Behindertensport dazu bezahlt. "In Absprache mit dem ÖBSV können wir jetzt sehr genau planen."

Skifahrer Martin Würz, heuer Teilnehmer bei den Paralympics in Sotschi, sieht die Zusammenführung kritisch. Er trainiert zu 50 Prozent mit dem niederösterreichischen Behindertensportverband. Wie und ob dies auch künftig finanziert wird, weiß er nicht. Zudem sieht Würz die Gefahr, als Behindertensportler im Fachverband unterzugehen. Bisher jedenfalls habe sich für ihn, trotz Inklusion beim Skiverband, wenig verändert.

„Für mich ist selbstverständlich, dass bei Spitzensportförderung alle Sportler gleichgestellt werden“, sagt Klug. Im Breitensport freilich, so Jank, sei die Eingliederung des Behindertensports in den Nicht-Behindertensport noch ein weiter Weg. (rie/derStandard.at, 1.9.2014)

Share if you care.