Volksschulen und Kindergärten sollen stärker zusammenwachsen

1. September 2014, 15:45
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Arbeitsgruppe für mehr Vernetzung gestartet, Pilot an 35 Volksschulen

Wien - Volksschulen und Kindergärten sollen künftig stärker zusammenwachsen und so der Übergang für die Kinder sanfter werden. Eine Arbeitsgruppe arbeitet daran, wie die Vernetzung konkret funktionieren soll und welche gesetzlichen Barrieren dafür abgebaut werden müssen, kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Montag an.

Im ersten Schritt kooperieren bei der "Volksschulreform" mit Beginn dieses Schuljahrs 35 Standorte mit einem oder mehreren Kindergärten. Möglich wäre, dass die Volksschulpädagogen bereits in den Kindergarten kommen und die Kinder kennenlernen, schildert Heinisch-Hosek mögliche Formen der Zusammenarbeit. Derzeit wäre ein solches Modell "ein Gesetzesbruch". Gleichzeitig sollen Kindergartenkinder schon in die Volksschule hineinschnuppern können und die Volksschullehrer sich - Einverständnis der Eltern vorausgesetzt - über Portfolios und Pensenbücher bereits ein Bild über Stärken und Schwächen der Kinder machen können.

"Hin und wieder in der Schule vorbeischauen"

Umgekehrt wäre es wünschenswert, wenn zwei, drei Monate nach dem Wechsel die Kindergartenpädagogen hin und wieder in der Schule vorbeischauen und beobachten, wie die Kinder sich entwickeln. Diese würden damit die frühere Bezugsperson nicht von einem Tag auf den anderen verlieren. "Unsere Netzwerkprojekte machen Vorschule praktisch überflüssig, weil man den Kindern mehr Zeit gibt", erklärt Heinisch-Hosek die Idee. Die Kinder sollen möglichst als gemeinsame Gruppe aus dem Kindergarten in die Volksschule übertreten und dann bis zum Ende der zweiten Klasse Volksschule Zeit haben, auf das selbe Bildungsniveau zu kommen.

Ein weiterer Reformpunkt: Mit dem Schuljahr 2015/16 soll gesetzlich verankert werden, dass Volksschulen auch ohne Schulversuch bis zur dritten Klasse auf Ziffernoten verzichten können. Der Beschluss war eigentlich schon für diesen Sommer geplant, ist aber, wie Heinisch-Hosek sagt, aus Zeitgründen gescheitert.

Bis Jahresende muss die Ministerin außerdem ihre Pläne vorlegen, wie sie 2015 90 Mio. Euro einsparen will. "Da werde ich intensive Gespräche mit dem Finanzminister führen und hoffe, dass die Deadline auch erstreckbar sein wird", meint Heinisch-Hosek mit Verweis auf den Reformdialog mit den Bundesländern, eine Arbeitsgruppe zu Vereinfachungen in der Schulverwaltung und Abbau von Doppelgleisigkeiten. "Ich hoffe hier schon auf die Arbeitsgruppe Bund-Länder, dass wir die Sparvorgaben für nächstes Jahr gemeinsam erfüllen können."

"Viele Vorarbeiten"

In punkto Zentralmatura glaubt Heinsch-Hosek trotz der Pannen bei der Generalprobe an eine fehlerfreie Premiere im Frühjahr 2015 an den AHS: "Wir haben schon viele Vorarbeiten geleistet, damit alles glattgehen wird." Es gebe bereits Vorschläge der Task-Force wie ganz klare Regeln bei der Beurteilung, mehr Informationen der Schulen über die Abläufe, mehr Praxisnähe bei den Maturaaufgaben und eine Verbesserung der Logistik, damit alle Maturaaufgaben vollständig vorliegen.

Ob auch künftig das zuletzt umstrittene Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) für die Durchführung der Zentralmatura zuständig sein wird, lässt Heinisch-Hosek vorerst noch offen. Es sei Aufgabe der zur Reform des Bifie eingesetzten Lenkungsgruppe mit heimischen und internationalen Experten zu schauen, welche Aufgaben das Bifie übernehmen soll und welche auch das Bildungsministerium wahrnehmen könnte.

Für die Neue Mittelschule (NMS), deren Evaluierungsbericht im Frühjahr vorliegen soll, fordert Heinisch-Hosek Zeit zur Entwicklung ihres Potenzials: "Es wäre viel zu kurz gegriffen, jetzt schon zu behaupten, ob diese Schulform pädagogisch viel oder wenig bringt. Im Prozess von Schulreformen sind immer gewisse Vorlaufzeiten notwendig, bis sich qualitätsvolle Ergebnisse zeigen."

Sie denke, anders als von ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka gefordert, im Falle schlechter Ergebnisse keinesfalls daran, den bis 2016/17 geplanten Umbau der Hauptschulen zu NMS zu stoppen. Sie sei aber bereit, "in das System hineinzuschauen", wo mitunter in den Bundesländern etwa die Doppelbesetzung beim Teamteaching gar nicht umgesetzt worden sei. Für inhaltliche Veränderungen ist Heinisch-Hosek ebenfalls offen: So sollen etwa an Schulen mit Schwerpunkten nicht nur in den Haupt-, sondern eben auch in den Schwerpunktfächern (etwa Naturwissenschaften) zwei Lehrer eingesetzt werden können. "Ich würde das den Schulen gerne freistellen, die wissen selber am besten, welchen Schwerpunkt sie haben."

Positiv blickt die Ministerin auf die Zusammenarbeit mit der ÖVP unter ihrem neuen Chef Reinhold Mitterlehner: In seiner Eigenschaft als Familienminister habe sie mit Mitterlehner sehr gute Erfahrungen gemacht. "Ich bin hier sehr offen und auch gespannt, wie seine bildungspolitische Haltung ist und so wie ich ihn kenne, wird das eine gute Zusammenarbeit sein." (APA, 1.9.2014)

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