Tusk: September 1939 darf sich nicht wiederholen

1. September 2014, 12:58
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Gedenkfeier auf der Westerplatte - Fischer: Geschichtsverständnis in Österreich inzwischen realistischer

Danzig - Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat auf einer Gedenkfeier zum deutschen Angriff auf Polen vor 75 Jahren eine Stärkung der NATO gefordert. "Wenn wir heute auf die Tragödie der Ukrainer blicken, auf den Krieg im Osten unseres Kontinents, dann wissen wir, dass der September 1939 sich nicht wiederholen darf", sagte Tusk am Montag auf der Westerplatte bei Danzig.

"Heute ist noch Zeit, denen Einhalt zu gebieten, für die Gewalt zum Arsenal ihres Handelns gehört", sagte Tusk in Anspielung auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wir Europäer müssen aus dem tragischen polnischen September und den Jahren des Zweiten Weltkriegs eine Lehre ziehen, die kein naiver Optimismus sein darf." Jetzt sei keine Zeit für schöne Worte, betonte er.

"Wir Polen haben daher das Recht, laut zu sagen, dass niemand das Recht hat, unsere Initiativen zu blockieren, deren Ziel ein effektives Handeln der NATO ist", betonte der künftige Präsident des EU-Rates an dem Ort, an dem die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs gefallen waren. Das Schlagwort "Nie wieder Krieg" dürfe kein Manifest der Schwachen sein.

Beschuss der Westerplatte

Der Beschuss der Westerplatte bei Danzig hatte am 1. September 1939 den deutschen Angriff auf Polen und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs eingeleitet. Die bewaldete Halbinsel an einem Mündungsarm der Weichsel ist rund zwei Kilometer lang und an der Nahtstelle zum Festland nur 60 Meter breit.

75. Jahrestag des Kriegsbeginns

Ebenfalls auf der Westerplatte nehmen am Montagnachmittag der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronislaw Komorowski an der Zentralen Gedenkfeier am 75. Jahrestag des Kriegsbeginns teil.

In Wien wollten Bundespräsident Heinz Fischer und Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) am Montagvormittag mit einer Kranzniederlegung im Weiheraum im Äußeren Burgtor der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenken.

Fischer erinnert an Verantwortung Österreichs

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Sonntag anlässlich des 75. Jahrestags des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs an die historische Verantwortung Österreichs erinnert. "In Österreich hat es leider ziemlich lange gebraucht, um unsere Situation und unsere Verantwortung in der Zeit zwischen 1938 und 1945 richtig zu erfassen und richtig einzuordnen", so Fischer laut Aussendung. Das "Geschichtsverständnis" in Österreich sei nunmehr aber realistischer geworden.

"Aber heute kann man sagen, dass aus der Geschichte ziemlich viel gelernt wurde", betonte Fischer und erinnerte daran, dass am 1. September vor 75 Jahren "der Zweite Weltkrieg mit einem Überfall der Deutschen Wehrmacht unter Adolf Hitler auf Polen begonnen hat".

Faymann betont Friedensprojekt EU

Auch Bundeskanzler Werner Faymann hat sich zum Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs geäußert: "Es ist notwendig, an den Zweiten Weltkrieg zu erinnern und zu thematisieren, welche entsetzlichen Folgen für die europäischen Gesellschaften damit verbunden waren." Faymann widmete sich neben dem Gedenken an die Opfer auch der Wichtigkeit des Friedensprojekts EU und dem Kampf gegen Autoritarismus.

"Vergessen wir nicht die über sechs Millionen Opfer der Shoa, darunter 1,5 Millionen Kinder", forderte Faymann in einer Aussendung am Montag. "Denken wir an die rund 80 Millionen Menschen, denen im Zweiten Weltkrieg das Leben genommen wurde." Europa habe aus der Tragödie des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs gelernt: "Die Europäische Union stellt heute das bedeutendste, wichtigste und vor allem auch lebendigste Friedensprojekt der europäischen Geschichte dar." Es gebe keine Alternative zum Prozess der europäischen Integration, "sondern es kann für uns alle nur die Anstrengung im Vordergrund stehen, diesen Prozess noch intensiver und verdichteter voranzubringen."

Ein Gedenktag wie der heutige, so Faymann, müsse dazu anhalten, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. "Wir brauchen keine Ausgrenzung, wir brauchen keine Verhetzung, wir brauchen keine Herabsetzung der menschlichen Würde - wir müssen unsere Verpflichtung aus der Geschichte des Landes und aus der Geschichte Europas erkennen und verantwortungsvoll die Zukunft gestalten", sagte der Kanzler abschließend. (APA, 1.9.2014)

  • Der polnische Premier Tusk bei den Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs.
    foto: epa/adam warzawa poland out

    Der polnische Premier Tusk bei den Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs.

  • Bundespräsident Heinz Fischer und Verteidigungsminister Gerald Klug bei der Kranzniederlegung in der Krypta in Wien anlässlich des Gedenkens an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
    foto: apa/bundesheer/peter lechner

    Bundespräsident Heinz Fischer und Verteidigungsminister Gerald Klug bei der Kranzniederlegung in der Krypta in Wien anlässlich des Gedenkens an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

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