Europas Leitbörsen schließen nach Berg- und Talfahrt im Plus

3. September 2014, 18:32
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FTSE auf 14-Jahres-Hoch - Automobilebranche im Fokus - Feuerpause in der Ukraine

Frankfurt am Main - Die europäischen Leitbörsen gingen am Mittwoch nach einer kräftigen Berg- und Talfahrt positiv aus dem Handel. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit 3.218,84 Punkten um 38,55 Zähler oder 1,21 Prozent fester. Der FTSE 100 Index erreichte am Vormittag sogar ein 14-Jahres-Hoch mit 6,878.87 Punkten.

Der Ukraine-Konflikte löste heute ein Wechselbad der Gefühle aus. Zunächst wurde ein "dauerhafter Waffenstillstand" verkündet, wenig später zu einem "Regime der Feuerpause" revidiert. Anleger reagierten ebenso wechselhaft. Zunächste schossen die Aktienmärkte ins Plus und bekamen nach der Meldungskorrektur einen Dämpfer. Ein Teil der Gewinne konnte aber zumindest verteidigt werden.

Die EU-Kommission hat am Mittwoch einen neuen Antrag zu weiteren Sanktionen gegen Russland vorgebracht. Am selben Tag beraten die EU-Botschafter in Brüssel die neuen Maßnahmen. Entscheidungen waren heute keine zu erwarten. Jedoch sind Termine zur Beratung am morgigen Donnerstag und auch am Freitag reserviert.

Schlussendlich hat Kremlchef Wladimir Putin eine objektive internationale Kontrolle der geplanten Feuerpause gefordert. Bereits an diesem Freitag könnten Vertreter der Regierung in Kiew und der Separatisten bei einem möglichen Treffen in Minsk eine Vereinbarung zur friedlichen Regelung der Krise schließen.

Putin rief die prorussischen Aufständischen in den Regionen Donezk und Lugansk auf, ihre Offensive einzustellen. Parallel sollten Regierungseinheiten die Kampfzone verlassen. Er hoffe, dass die prowestliche Führung in Kiew die Pläne unterstütze.

Konjunkturseitig hat sich die Wirtschaftsstimmung der Eurozone im August stärker eingetrübt als zunächst gedacht. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,3 Punkte auf 52,5 Zähler. Die Stimmung trübte sich sowohl in der Industrie als auch im Bereich Dienstleistungen ein. Im Gegensatz dazu wurde die USA wettbewerbsfähiger, überholte Deutschland und Finnland im Wettbewerbsindex 2014 und verbesserten sich damit um zwei Plätze auf Rang 3. Außerdem sind in den USA die Auftragseingänge der Industrie im Juli um 10,5 Prozent gewachsen.

Die Erwartungen an die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag sind gesunken. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik bereits gelte zunehmend als unwahrscheinlich. Die EZB dürfte zunächst die Wirkung der bisherigen Instrumente abwarten, sagten Analysten. Die morgige Zinssetzung der Bank of England wird ebenso unverändert bei 0,5 Prozent erwartet.

Während die US-amerikanischen Autohersteller erfreuliche Umsatzzahlen verlauteten, müssen sich die europäischen Firmen sorgen. Volkswagen findet in den USA seit fast eineinhalb Jahren nicht zurück in die Wachstumsspur. Im August verkaufte die Kernmarke von Europas größtem Autobauer mit knapp 35 200 Neuwagen fast 13 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Volkswagen-Titel notierten mit plus 1,49 Prozent auf 174,10 Euro.

Daimlers Lkw-Chef Wolfgang Bernhard will die Produktion seiner Sparte schlanker aufstellen und ihre Ressourcen vor allem für höherwertige Bauteile nutzen. Ziel sei es, die Werke langfristig wettbewerbsfähiger aufzustellen. Daimler bekommt die Nachwirkungen der Abgasnorm Euro 6 zu spüren, die seit 2014 in der EU gilt. Weil die neue Technologie teuer ist, schlugen viele Spediteure vergangenes Jahr bei Vorgängermodellen zu. Daimler hatte schon zur Halbjahresbilanz einen Rückgang von fünf Prozent für Europas Lkw-Markt in Aussicht gestellt. Die Daimler-Titel notierten mit plus 1,75 Prozent auf 62,90 Euro. Der Branchenkollege BMW gewann satte 2,30 Prozent auf 90,01.

Die Fluggesellschaft Air France-KLM will eine europaweite Billig-Airline schaffen und dazu Stützpunkte in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, aufbauen. Das Ziel sei, zusätzliches Wachstum über die bereits bestehende Billig-Linie Transavia in Frankreich und Transavia in den Niederlanden hinaus zu erreichen. Die Titel der Air France-KLM notierten mit plus 0,89 Prozent. Die Konkurrenz Lufthansa konnten sogar um 2,38 Prozent zulegen und Ryanair um 1,65 Prozent. (APA, 3.9.2014)

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