Proteste in Pakistan eskalieren: TV-Sender kurzzeitig besetzt 

1. September 2014, 12:09
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Demonstranten marschieren erneut zu Residenz von Regierungschef Sharif

Islamabad - In Pakistan gewinnen die gewaltsamen Proteste gegen Ministerpräsident Nawaz Sharif an Schärfe. Regierungsgegner stürmten am Montag den staatlichen Fernsehsender PTV in der Hauptstadt Islamabad. Kurz darauf schaltete sich die Armee ein und vertrieb die Demonstranten wieder aus dem Gebäude. Der Sendebetrieb wurde vorübergehend unterbrochen. Demonstranten marschierten auch zur Residenz des Premiers.

Die Proteste haben im vergangenen Monat begonnen und sind am Wochenende eskaliert, als mindestens drei Menschen bei heftigen Zusammenstößen mit der Polizei getötet wurden. Sharif wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr beim ersten demokratischen Machtwechsel Pakistans nur durch Wahlfälschung gesiegt zu haben. Einen Rücktritt lehnt er ab.

Heftige Ausschreitungen

Auch am Montag kam es zu heftigen Ausschreitungen. Nachdem sich die Demonstranten Zugang zum Sender verschafft hatten, wurden die Bildschirme schwarz. Ein Nachrichtensprecher hatte kurz zuvor noch die Stürmung des Gebäudes vermeldet und erklärt, dass Mitarbeiter des Senders zusammengeschlagen würden. Später ging der staatliche Kanal wieder auf Sendung. Es wurden Bilder gezeigt, auf denen Soldaten und Angehöriger einer paramilitärischen Einheit Demonstranten aus dem Gebäude führten. Dabei kam es offenbar nicht zu Gewalt.

Auch unweit der Residenz von Sharif, die bereits am Wochenende ins Visier der Regierungsgegner gekommen war, lieferten sich Demonstranten und Polizisten erneut Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, die Steine warfen und mit Stöcken bewaffnet waren. Es war unklar, ob Sharif sich in seinem Haus aufhielt.

Kricket-Star und Kleriker

Anführer der Demonstranten sind der ehemalige Kricket-Star Imran Khan und der Kleriker Tahir ul-Qadri. Sollten sich die Proteste weiter verschärfen, könnte die Armee Ausgangssperren verfügen oder sogar Kriegsrecht verhängen. Sharif wollte sich am Dienstag vor dem pakistanischen Parlament äußern und damit offenbar demonstrieren, dass er die Lage unter Kontrolle hat.

Das mächtige Militär hatte am Sonntagabend nach einer Sitzung im Armee-Hauptquartier zu einer politischen Lösung des Konflikts aufgerufen, "ohne Zeit zu verschwenden und ohne Gewalt anzuwenden". Weiter hieß es in der Mitteilung: "Die Armee bleibt ihrer Rolle verpflichtet, die Sicherheit des Staates zu gewährleisten." Die eskalierende Gewalt hat Sorge vor einem Eingreifen des Militärs geschürt, das in der Vergangenheit bereits häufiger geputscht hat. (APA, 1.9.2014)

  • Pakistanische Soldaten versuchen die Residenz des Präsidenten zu schützen.
    foto: ap photo/anjum naveed

    Pakistanische Soldaten versuchen die Residenz des Präsidenten zu schützen.

  • Ausschreitungen in Islamabad.
    foto: reuters/bensemira

    Ausschreitungen in Islamabad.

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